EACS 2019 – Ist es Zeit, eine Absetzung der neonatalen Postexpositionsprophylaxe ins Auge zu fassen?


  • Cristina Ferrario — Agenzia Zoe
  • Conference Reports
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Erkenntnis

  • In der Schweiz wird eine neonatale Postexpositionsprophylaxe (neoPEP) bei HIV-exponierten Neugeborenen seit 2016 nicht mehr empfohlen, wenn die Viruslast des HIV im Plasma (pVL) der Mutter im letzten Schwangerschaftsdrittel vollständig unterdrückt ist.
  • Die neuen Empfehlungen werden rasch umgesetzt und haben zu einem Rückgang der neoPEP-Exposition um 86,4 % geführt.
  • Ohne neoPEP wurde bisher keine Mutter-Kind-Übertragung (MTCT) beobachtet.
  • Die Empfehlungen bezüglich neoPEP aus anderen einkommensstarken Ländern sollten überdacht werden.

Warum das wichtig ist

  • Im Zeitalter der hochaktiven antiretroviralen Therapie (HAART) liegt die MTCT-Rate bei HIV in einkommensstarken Ländern bei unter 2 %.
  • Bedenken hinsichtlich des Einsatzes von neoPEP steigen, denn die Behandlung ist nicht ausreichend evidenzbasiert und höchst toxisch.

Studiendesign

  • Analyse von Daten aus der Schweizer Mutter-und-Kind-HIV-Kohortenstudie (MoCHiV) und der damit verknüpften Datenbank zur Schweizer HIV-Kohortenstudie (SHCS).
  • Zwischen 2010 und 2018 geborene Kinder wurden aufgenommen, wenn Daten zur pVL mit HIV der Mutter aus dem letzten Schwangerschaftsdrittel verfügbar waren.
  • Ein Vergleich der Häufigkeit von neoPEP bei Säuglingen, die vor und nach den neuen Empfehlungen geboren worden waren, wurde vorgenommen.
  • Der HIV-Status wurde bei Kindern im 6. Lebensmonat beurteilt.

Wesentliche Ergebnisse

  • Mütterliche pVL mit HIV im letzten Schwangerschaftsdrittel:
  • Verabreichung von neoPEP an alle Kinder (n = 20) mit einer nachweisbaren pVL der Mutter im dritten Schwangerschaftsdrittel.
  • Einsatz von neoPEP bei 98,9 % der Kinder mit nicht nachweisbarer mütterlicher pVL, die vor den Änderungen der Leitlinien im Jahr 2016 geboren worden waren, aber nur bei 12,5 % der nachher geborenen Kinder.
  • Von den 87 Kindern, die keiner neoPEP unterzogen wurden, wurde keines mit HIV infiziert.

Einschränkungen  

  • Geringe Anzahl an untersuchten Kindern.