EACS 2019 — Behandlung für alle: Erreichen der 90-90-90-Ziele und darüber hinaus


  • Cristina Ferrario — Agenzia Zoe
  • Conference Reports
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Erkenntnis

  • 2,2 Millionen Menschen leben in der europäischen Region der WHO (53 Länder) mit HIV.
  • Die Neuinfektionsraten sind immer noch hoch, insbesondere in der östlichen Region.
  • Instrumente sind verfügbar, um offene Lücken zu schließen.
  • Politische Bereitschaft und Bemühungen gegen die Stigmatisierung von HIV sind erforderlich.

Warum das wichtig ist

  • Die Frist von 2020 für die UNAIDS-Ziele 90-90-90 steht vor der Tür.
  • Viele Länder schneiden nicht gut ab.

 

Mit 3.059 Vertretern aus 98 Ländern war die 17. europäische AIDS-Konferenz eine hervorragende Gelegenheit, um den Stand der Dinge im Kampf gegen die HIV- und AIDS-Epidemien zu erläutern. Mehr Wissenschaft, mehr junge Forscher und eine vertieftere Beteiligung der mittel- und osteuropäischen Länder (MOEL) waren die wichtigsten Merkmale der Konferenz, die unter dem Motto „Exchange, Debate, Discover“ (Austausch, Debatte, Entdeckung) stand.

HIV-Epidemiologie

Die geschätzten Neuinfektionen nehmen in Westeuropa ab; sie sind in den vergangenen zehn Jahren um 30 % zurückgegangen. Der gegenteilige Trend wird in Mittel- und Osteuropa beobachtet, wo sie um 125 % bzw. um 60 % gestiegen sind. Etwa 82 % der neuen Diagnosen im Jahr 2017 stammten aus Osteuropa. Die Übertragungsrisikomuster unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Unterregionen: Übertragungen durch MSM und heterosexuelle Kontakte sind für die große Mehrheit der Fälle in West- und Mitteleuropa verantwortlich, während fast ein Viertel der östlichen Fälle auf das Spritzen von Drogen und ein sehr hoher Anteil auf Übertragungen durch heterosexuelle Kontakte zurückzuführen ist.

Ergebnisse und Bedenken

Die Anzahl nicht diagnostizierter Menschen nimmt ab, aber bei 53 % der Patienten wird die Diagnose immer noch spät gestellt. Die Abdeckung der antiretroviralen Therapie (ART) steigt, doch 1 Million Menschen ist weiterhin unbehandelt und es kommt häufig zu einer späten Anbindung an die Versorgung. Trotz Nachweisen eines Anstiegs der Zahl der Menschen, die mit supprimiertem Virus leben, gibt es immer noch 1,2 Millionen Patienten unter Behandlung, die keine Suppression erreicht haben.

Ziele und Herausforderungen

Die europäische Region ist nur teilweise auf dem richtigen Weg, AIDS bis 2030 auszurotten. In der gesamten Region sind 80 % der HIV-Infizierten diagnostiziert (Ziel 1), 50 % befinden sich in Behandlung (Ziel 2), und bei 44 % wurde eine Virussuppression erreicht (Ziel 3). Westeuropa liegt den Zielwerten von 90 % näher (86 %, 79 %, 73 %), während Osteuropa viel weiter zurückliegt (76 %, 34 %, 26 %). Wirksame Präventionslösungen stehen zur Umsetzung zur Verfügung und können auch kombiniert werden: Tests in der Bevölkerung, Einsatz von PrEP/PEP bei HIV-negativen und Behandlung von HIV-positiven Personen, Verwendung von Kondomen und Schadensminderung.

Kampf gegen die Stigmatisierung!

Die Ungleichheit in der Versorgung und die Stigmatisierung von Betroffenen sollten angegangen und bekämpft werden, um die Lebensqualität von HIV-infizierten Personen zu verbessern. Die Anzahl der Nichtregierungsorganisationen (NRO) und Kliniken, die sich mit HIV befassen, variiert in Europa stark, was zu Lücken in der Versorgungsqualität führt. Die Lücken werden durch die starke Stigmatisierung von HIV aufgrund von Furcht, fehlenden Informationen und mangelhafter Unterstützung weiter verstärkt und führen für HIV-positive Personen oft in die Depression. „Nicht feststellbar = nicht übertragbar“ ist die über Aufklärungskampagnen auf die gesamte Bevölkerung zu verbreitende Aussage.