E-Zigaretten regen Jugendliche zum Tabakkonsum an


  • Susanne Kressenstein
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft: Nach dem Konsum von E-Zigaretten trauen sich Jugendliche offensichtlich eher auch an Tabakzigaretten.

Hintergrund: Jugendliche greifen erfreulicherweise seit rund zehn Jahren immer seltener zu konventionellen Zigaretten. Die Raucherquote bei den 12- bis 17-Jährigen ist von 27,5 Prozent im Jahr 2001 auf 7,4 Prozent im Jahr 2016 gesunken.

Die Zahl der Konsumenten elektronischer Zigaretten steigt in den letzten Jahren in Deutschland jedoch stark an. Gerade auf Jugendliche scheinen die oft bunt bedruckten E-Zigaretten einen großen Reiz aus zu üben. Stellen E-Zigaretten eine „Einstiegsdroge“ auf dem Weg zur Tabakzigarette dar?

Design: Rund 2.200 15 bis 16-Jährige aus verschiedenen 10. Klassen aus Niedersachsen und Schleswig-Holstein nahmen an einer Erhebung teil, die über ein halbes Jahr lief. Teilnahmebedingung war, niemals zuvor konventionelle Zigaretten geraucht zu haben.

Ergebnisse: Zu Studienbeginn gaben 14,3 Prozent der Jugendlichen an, schon einmal E-Zigaretten probiert zu haben. Während des Untersuchungszeitraums von sechs Monaten wagten sich 12,3 Prozent der Schüler erstmals an Nikotinzigaretten und gaben zu Protokoll, zumindest gelegentlich zu rauchen. Gegen Ende der Studie zeigte sich, dass Jugendliche mit E-Zigaretten-Erfahrung eher zur Tabakzigarette griffen als ihre Mitschüler. 22 Prozent der Schüler, die bereits E-Zigaretten getestet hatten, fingen auch mit dem Konsum von Tabakzigaretten an. Unter den Schülern, die keine Erfahrung mit E-Zigaretten hatten, lag dieser Prozentsatz bei lediglich 10 Prozent. Das relative Risiko für das Experimentieren von Tabak war demnach bei Nutzern von E-Zigaretten um das 2,2-fache erhöht.

Klinische Bedeutung: Während erst im letzten Jahr eine Studie erschien, die zu dem Schluss kommt, dass E-Zigaretten den Nikotinentzug erleichtern, kommt die aktuelle Umfrage zu einem anderen Ergebnis. Offensichtlich ist die Hemmschwelle, sich an Tabak zu trauen, bei jungen Menschen niedriger, die schon Kontakt zu E-Zigaretten hatten.

Dr. Heidrun Thaiss, Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), erklärt dazu: „Bei den 12- bis 17-Jährigen liegt die Raucherquote bundesweit mit aktuell 7,4 Prozent auf einem historischen Tiefstand. Das zeigen die regelmäßigen Repräsentativerhebungen der BZgA. Die Jugendlichen sind dem Rauchen gegenüber zunehmend kritisch eingestellt. Diesen Präventionserfolg wollen wir weiterhin stabilisieren. Es gilt ganz klar zu verhindern, dass junge Menschen durch den Konsum von E-Zigaretten und E-Shishas zum Tabakrauchen angeregt werden. Deshalb bieten wir verstärkt Informationsangebote zu den Risiken von E-Produkten an.“

Finanzierung: Diese Studie wurde von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit gefördert.