E-Zigarette als Einstiegsdroge für späteres Rauchen?

  • Pediatrics

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Jugendliche, die E-Zigaretten benutzen, haben offenbar ein dreifach erhöhtes Risiko, später täglich Zigaretten zu rauchen. Weitere Prädiktoren sind der Tabakkonsum von Jugendlichen unter 18 Jahren und die Anzahl der probierten Tabakprodukte. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die kürzlich in Pediatrics veröffentlicht wurde. Dass E-Zigaretten jedoch die Ursache für das spätere Rauchen sind, kann die Studie allerdings nicht belegen.

Seit der Einführung von elektronischen Zigaretten probieren US-amerikanische Jugendliche und junge Erwachsene, die mit Tabak experimentieren, häufig mehrere Tabakprodukte aus, wie Zigarette, Wasserpfeife, Zigarillo, Zigarre, rauchfreier Tabak oder E-Zigarette. In der aktuellen Längsschnittstudie gingen kalifornische Wissenschaftler der Frage nach, inwiefern sich dies auf die spätere Prävalenz des täglichen Zigarettenrauchens auswirkt. Dazu werteten sie Daten einer jährlichen bevölkerungsweiten repräsentativen Umfrage in den USA zu Tabak und Gesundheit bei 12- bis 24-Jährigen aus. Dabei berücksichtigten sie die Daten aus vier Jahren.

Im Vergleich zu denjenigen, die nur ein Tabakprodukt ausprobierten, war das Risiko, später täglich Zigaretten zu rauchen, bei denjenigen, die mindestens fünf Produkte ausprobierten, um 15 Prozentpunkte höher. Insbesondere der Konsum von E-Zigaretten erhöhte laut Studie das Risiko, später täglich Zigaretten zu rauchen. Das tägliche Rauchen war um 6 Prozentpunkte niedriger für diejenigen, die erst nach Beendigung des 18. Lebensjahres mit Tabakprodukten experimentierten.

Gateway-Theorie nicht bestätigt

Das Ergebnis der Studie sei wenig überraschend, sagt Daniel Kotz, Professor für Suchtforschung und klinische Epidemiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf gegenüber dem s cience media center  . „Die Ergebnisse geben allerdings keinen Aufschluss darüber, ob Jugendliche und junge Erwachsene durch den Konsum von E-Zigaretten zu täglichen Tabakrauchern werden, was sie sonst nicht geworden wären (Gateway-Theorie)“. Vielmehr würden internationale Studien zeigen, dass Tabakrauchen unter Jugendlichen rückläufig ist, auch in Ländern, in denen der Konsum von E-Zigaretten zugenommen hat.

Kein kausaler Zusammenhang

Auch Professor Ute Mons, Leiterin der Arbeitsgruppe Kardiovaskuläre Epidemiologie des Alterns an der Uniklinik Köln macht auf deutliche Schwächen der Studie aufmerksam: „Auch wenn der E-Zigarettenkonsum den Daten zufolge das Risiko eines Einstiegs ins tägliche Rauchen von drei Prozent auf zehn Prozent etwa verdreifachte, bleibt unklar, ob der E-Zigarettenkonsum hierfür ursächlich ist, oder ob nicht vielmehr soziale oder psychologische Faktoren, die sowohl den Konsum von E-Zigaretten als auch den Konsum von Zigaretten begünstigen, diesen Zusammenhang erklären können (Common Liability-Hypothese). Doch solche „Störfaktoren“ wurden in der Studie statistisch nicht berücksichtigt.

Daten nicht auf Deutschland übertragbar

Außerdem seien die Daten auf Deutschland nur begrenzt übertragbar, da E-Zigaretten in hierzulande deutlich strenger reguliert sind als in den USA. So gibt es in der gesamten EU beispielsweise eine Obergrenze für Nikotin in E-Zigaretten, die das Suchtpotential der Produkte begrenzt. Bislang gebe es, so Mons, auch keine Hinweise darauf, dass E-Zigaretten zu einer Zunahme des Zigarettenkonsums geführt haben könnten: Der Zigarettenkonsum unter Jugendlichen ist seit vielen Jahren rückläufig und zuletzt auf rund sechs Prozent im Jahr 2019 gesunken, während der E-Zigarettenkonsum relativ konstant bei unter vier Prozent liegt.