Dysphagie nach Schlaganfall: Neurostimulation eine Option für Schwerkranke


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft

Für Patienten mit neurogener Dysphagie kann die pharyngeale elektrische Stimulation eine gute Therapieoption sein. Denn bei Patienten, die nach einem Schlaganfall unter Schluckstörungen litten, bildete sich die schlaganfallbedingte Dysphagie deutlich rascher zurück, wenn sie eine pharyngeale elektrische Stimulation (PES) erhielten.

Hintergrund

Mehr als fünf Millionen Menschen in Deutschland leiden unter Schluckstörungen, die Tendenz ist steigend. Bundesweit sind circa 16 bis 22 Prozent der über 55-Jährigen betroffen. Schluckstörungen haben sehr häufig neurologische Erkrankungen als Ursache, oft Schlaganfälle. Rund 12,5 Prozent aller in ein Krankenhaus eingelieferten Schlaganfall-Patienten werden künstlich beatmet und bei 16,3 Prozent muss eine Tracheotomie durchgeführt werden. In der Rehabilitation dieser Patienten ist die sichere Entfernung der Trachealkanüle ein wichtiges Ziel, um das Risiko von Atemwegskomplikationen und fatalen Krankheitsverläufen zu verringern und die Länge des Krankenhausaufenthalts zu verkürzen. Eine fortbestehende, durch den Schlaganfall verursachte Dysphagie ist der Hauptgrund, warum die Entwöhnung von der Trachealkanüle häufig nur langsam oder überhaupt nicht gelingt. Zur Reaktivierung des Schlucknetzwerkes steht seit einigen Jahren mit der pharyngealen elektrischen Stimulation (PES) eine Neurostimulationstherapie zur Verfügung. In der multizentrischen Interventionsstudie PHAST-TRAC ist die PES mit einer Scheintherapie verglichen worden.

Design

An der randomsierten und einfach-verblindeten Interventionsstudie PHAST-TRAC nahmen 69 tracheotomierte Schlaganfall-Patienten teil;  bei 35 wurde eine PES durchgeführt, bei 34 eine Scheintherapie. Stimuliert wurden die Patienten an drei aufeinanderfolgenden Tagen für je zehn Minuten.

Hauptergebnisse

  • Bei Patienten, die eine PES erhielten, bildete sich die Dysphagie deutlich rascher zurück. Deshalb konnte auch die Trachealkanüle bei signifikant mehr Patienten unmittelbar nach der Stimulationstherapie entfernt werden (49 versus 9 Prozent; odds ratio 7,00; 95% CI 2,41–19,88; p=0,0008).
  • Darüber hinaus war der Krankenhausaufenthalt der Patienten, die auf die PES-Behandlung ansprachen, durchschnittlich um 22 Tage kürzer als bei Patienten, die nicht auf die Therapie ansprachen.
  • Die Rate ernsthafter Komplikationen war in der PES-Gruppe mit 29 Prozent zwar um sechs Prozentpunkte größer als in der Kontroll-Gruppe; der Unterschied war aber statistisch nicht signifikant (odds ratio1,30; CI 0,44–3,83; p=0,7851).

Klinische Bedeutung

„Die PES ist für tracheotomierte Schlaganfall-Patienten nicht nur ein Riesengewinn, weil die Trachealkanüle schneller entfernt werden kann und der Krankenhausaufenthalt sich signifikant verkürzt, sondern auch, weil so das Risiko von Folgekomplikationen reduziert wird“, sagt Professor Dr. Peter Berlit, Generalsekretär der DGN (Deutsche Gesellschaft für Neurologie) und ehemaliger Chefarzt der Klinik für Neurologie am Alfried Krupp Krankenhaus in Essen. „Neben diesen eindeutigen Effekten war insbesondere auch erfreulich, dass die Stimulationstherapie in PHAST-TRAC keine schwerwiegenden Nebenwirkungen mit sich brachte. Die PES stellt damit für diese schwerstkranken Patienten eine echte Therapieoption dar“, so Studienleiter Professor Dr. Rainer Dziewas von der Klinik für Neurologie des Universitätsklinikums Münster (UKM) in einer Mitteilung der DGN.

Finanzierung: Phagenesis Ltd.