Durch die Haut: Vor allem Kinder mit Allergie sprechen auf Allergenpflaster an


  • Nicola Siegmund Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Induktion einer Immuntoleranz bei Erdnussallergikern ist grundsätzlich über ein allergenhaltiges Pflaster möglich. Allerdings differieren die Ansprechraten bei unterschiedlichen Dosierungen des Allergens und in Abhängigkeit vom Alter der Patienten: Kinder bis 11 Jahre reagieren am besten.

Hauptergebnisse

221 Patienten im Alter von 6 bis 49 Jahren nahmen teil. S ie hatten allergenspezifische IgE-Antikörper und   Hautreaktionen im Prick-Test (Quaddeldurchmesser mindestens 8 mm) bei Exposition gegenüber maximal 300 mg Erdnussprotein. Primärer Endpunkt der r andomisierten, doppelblinden und placebokontrollierten 2b-Studie war die Ansprechrate nach kontinuierlicher 12-monatiger Therapie:   Ausbleiben oder deutliche Minderung der Hautreaktionen bei Exposition gegenüber mindestens dem Zehnfachen der maximal verträglichen Protein-Ausgangsdosis oder gegenüber mindestens 1 g Erdnussprotein.

In der Gruppe mit der höchsten Allergendosierung im Pflaster (250 μg) sprachen 50 % der Teilnehmer an vs. 25 % unter Placebo, ein statistisch hoch signifikanter Unterschied. Keine s ignifikante Differenz wurde für niedrigere Allergendosierungen vs. Placebo erzielt und bei Probanden älter als 11 Jahre. Die Jüngeren (Altersgruppe 6 bis 11 Jahre) dagegen sprachen mit 53,6 % auf das Pflaster am besten an , aber immerhin auch 34,2 % auf Placebo (p = 0,008). Außer Hautrötungen um das Pflaster herum gab es keine relevanten Nebenwirkungen, vor allem keine schweren anaphylaktischen Reaktionen.

Design

  • Randomisierung von 221 Patienten mit Erdnussallergie in 4 Gruppen:

          Allergenpflaster mit 50, 100 oder 250 μg Erdnussprotein oder mit Placebo.

  • Pflaster wurden auf dem Rücken oder an den Armen appliziert und täglich gewechselt
  • Durchschnittsalter der Probanden: 11 Jahre

Klinische Bedeutung

Die Desensibilisierung gegenüber Substanzen, die bei Allergikern lebensbedrohliche anaphylaktische Reaktionen auslösen können wie das Erdnussprotein, ist eine Gratwanderung: Applikationsform und Dosierung des Allergens müssen so gewählt werden, dass toleranzvermittelnde Reaktionen entstehen, aber keine gefährlichen Nebenwirkungen. Dieses Risiko hält viele Patienten vom Versuch einer Immuntherapie ab, sie vermeiden das Allergen. Ein Pflaster hat sich bei Erdnussallergie als wirksam und gut verträglich erwiesen und wird nun in der Phase 3 klinisch geprüft. Die bessere Effektivität bei Kindern könnte mit einer höheren Dichte von antigenpräsentierenden Zellen in der Haut von Kindern gegenüber Erwachsenen erklärt werden.

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