Drohen Versorgungslücken bei der Präexpositionsprophylaxe auf Kassenrezept?


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernaussage

  • Die Deutsche Aidshilfe befürchtet Versorgungslücken bei der PrEP auf Kassenrezept und schlägt daher einfachere Qualifizierungswege vor.
  • Nach Ansicht der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband dient die aktuelle Regelung der Sicherheit der Anwender.
  • Eine Evaluierung, die für 2020 vorgesehen ist, soll zeigen, ob tatsächlich Versorgungslücken entstehen.

PrEP nur vom Spezialisten

Die aktuell gültige Regelung für die PrEP auf Kassenrezept sieht vor, dass nur spezialisierte HIV-Ärzte diese verschreiben dürfen, sowie Ärzte, die mindestens 16 stunden hospitiert haben und sich durch das Behandeln einer Mindestzahl von HIV- und/oder PrEP-Patienten qualifiziert haben. PrEP Aktivisten in Deutschland sowie die Deutsche Aidshilfe befürchten, dass es durch diese Regelung zu Versorgungslücken über keine HIV-Schwerpunktpraxis. Betroffene, die eigentlich einen Anspruch auf die PrEP auf Kassenrezept haben, müssen daher zum Teil lange Wege auf sich nehmen, um ein Rezept für die Schutzmethode zu erhalten. Nach Ansicht der deutschen Aidshilfe drohen dadurch Versorgungslücken und in der Folge vermeidbare HIV-Infektionen.

Einfachere PrEP-Qualifizierung gewünscht

Die Deutsche Aidshilfe fordert deshalb eine einfachere Lösung für die PrEP-Qualifizierung. In einem Schreiben an die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und den GKV-Spitzenverband schlägt sie vor, die Qualifizierung zu erleichtern, etwa durch e-Learning-Programme.

Der GKV-Spitzenverband betont in seiner Antwort, die vorgesehene Qualifizierung diene der Sicherheit der PrEP-Nutzer. Der Verband geht davon aus, dass das Verhältnis zwischen fachärztlicher Kompetenz und wohnortnaher Versorgung ausgewogen sei. Man würde im Bedarfsfall aber gemeinsam mit dem KBV nach Lösungsmöglichkeiten suchen.

Die KBV sieht die Schwelle für die Qualifizierung derzeit als nicht zu hoch an. Im Schreiben betonte der Verband, die erforderlichen Fachkenntnisse, um die PrEP zu verschreiben, seien nicht alle durch theoretisches Wissen zu erlangen. Vielmehr bedürfe es auch praktischer Erfahrung. Eine Aussage über eine eventuelle Versorgungslücke könne erst nach der Evaluation, die für Ende 2020 vorgesehen sei, getroffen werden.