Drei Viertel der Darmkrebstodesfälle bei Patienten mit Lücken in der Früherkennung

  • Gastroenterology

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Drei Viertel der Darmkrebstodesfälle treten bei Patienten mit lückenhafter Früherkennung auf und ein Viertel bei Menschen, die die Screeningempfehlungen befolgt haben. Das ergibt eine große Kohortenstudie (1) aus den USA, wo die Eckpfeiler des Screenings denen in Deutschland entsprechen. Bei einem Viertel der Studienteilnehmer hat sich der Tod in Folge eines Adenokarzinoms im Darm selbst bei regelhaftem Screening nicht verhindern lassen. Die Hypothese, der Immuntest auf okkultes Blut, der eine hohe Spezifität, aber eine vergleichsweise niedrige Sensitivität hat, könne durch Acetylsalicylsäure (ASS) 2 Tage vor der Stuhlprobe sensitiver werden, hat sich nicht bestätigt (2).

Hintergrund

Adenokarzinome des Darms gehören zu den häufigsten Tumoren weltweit. In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 60 000 Menschen an Darmkrebs, es ist bei Frauen die zweithäufigste, bei Männern die dritthäufigste Krebserkrankung.

Design

  • retrospektive Kohortenstudie an zwei Populationen des Kaiser Permanente Registers der USA: aus Nord- und aus Südkalifornien
  • Teilnehmer: Patienten (55-90 Jahre), die im Zeitraum von 2006 bis 2012 an einem Adenokarzinom des Darms gestorben waren und deren erforderliche Daten die Register mindestens 5 Jahre vor Diagnose (ab 2002) begonnen hatten zu dokumentieren

Hauptergebnisse

1.750 Darmkrebstodesfälle wurden in die Analyse eingeschlossen. 75,9 % (n = 1.328) ereigneten sich bei Teilnehmern, die das Darmkrebsscreening nicht den Empfehlungen der Krankenkassen entsprechend vornehmen ließen (1). Im Beobachtungszeitraum wurde ab 55 Jahren ein jährlicher Immuntest (IHC) auf okkultes Blut im Darm empfohlen mit anschließenden bildgebenden Untersuchungen, wenn das Testergebnis positiv war. Bei 24,1 % der Darmkrebstoten (n = 422) war ein leitlinienentsprechendes Screening und Follow-up bei positivem IHC dokumentiert. 3.486 Teilnehmer hatten keinen Darmkrebs, davon hielten 44,6 % die Screeningempfehlungen ein. Bei einem leitlinienkonformen Screening wurde das Risiko für Versterben an einem Darmtumor um 64 % reduziert.

In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie unter Federführung von Epidemiologen am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg ist geprüft worden, ob der IHC auf okkultes Blut durch eine Einmaldosis ASS (300 mg) 2 Tage vor der Stuhlprobe sensitiver wird (2). Es gab zwar einen nominellen Unterschied zu mehr Sensitivität in der ASS-Gruppe (n = 1.208), der Unterschied zur Kontrollgruppe (n = 1.214) war aber nicht statistisch signifikant.

Klinische Bedeutung

Früherkennungsuntersuchungen auf Darmkrebs, die den Empfehlungen von Fachgesellschaften und Krankenkassen entsprechen, reduzieren die Darmkrebssterblichkeit erheblich. Der immunologische Test auf okkultes Blut im Stuhl ist zuverlässiger als frühere Testmethoden, aber nicht perfekt.

Für Deutschland sieht das aktuelle Programm zur Früherkennung von Darmkrebs vor, dass Männer und Frauen zwischen 50 und 54 Jahren einmal jährlich einen immunologischen Test auf okkultes Blut im Stuhl von den Krankenkassen erstattet bekommen. Ab 55 Jahren haben Versicherte alle zwei Jahre Anspruch auf einen immunologischen Test, sofern keine Darmspiegelung erfolgt. Seit Kurzem haben Männer bereits ab 50 Jahren, nicht erst ab 55 Jahren wie früher, Anspruch auf eine Vorsorgedarmspiegelung.

Finanzierung: öffentliche Mittel