Drastische Senkung der Schubrate bei Neuromyelitis optica mit dem Antikörper Eculizumab

  • New England Journal of Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Schubfrequenz von Patienten mit Neuromyelitis optica, die Antikörper gegen Aquaporin-4 tragen, kann durch Infusionen mit Eculizumab deutlich reduziert werden. Bezüglich der Behinderungen war das Präparat in der vorzeitig abgebrochenen Studie aber nicht signifikant besser als Placebo.

Hintergrund

Neuromyelitis-optica-Spektrum-Erkrankungen sind relative seltene schubförmige, inflammatorische Autoimmunerkrankungen, die typischerweise den Sehnerv, das Rückenmark oder den Hirnstamm betreffen. Bei mindestens 2 Dritteln der – überwiegend weiblichen - Patienten finden sich Antikörper gegen Aquaporin-4 (AQP4-IgG), wobei der Schaden im ZNS auf dem Weg über das zum Komplementsystem gehörige Protein C5 vermittelt wird. C5 wiederum kann durch den Antikörper Eculizumab inhibiert werden, wodurch in einer früheren kleinen Studie die Häufigkeit der Schübe reduziert wurde.

Design

Randomisierte, doppelblinde Studie mit 143 Erwachsenen Patienten (91 % weiblich) im durchschnittlichen Alter von 44,3 Jahren. Sie erhielten entweder Eculizumab i.v. (900 mg / Woche für 4 Wochen, dann 1200 mg alle 2 Wochen) oder Placebo, wobei bestehende immunsuppressive Therapien (mit Ausnahme des kontraindizierten Rituximab) fortgeführt werden durften. Primäres Studienziel war die Zeit bis zum ersten bestätigten Schub, sekundäre Studienziele die annualisierte Schubrate, Lebensqualität und Ausmaß der Behinderung, gemessen mit der Expanded Disability Status Scale (EDSS).

Ergebnisse

  • Die Studie wurde wegen des großen Vorteils für Eculizumab vorzeitig beendet: Nachdem sich 23 von 24 präspezifizierten Rückfällen ereignet hatten, schien es nicht vertretbar, bis zum letzten Ereignis zu warten.
  • Die mittlere annualisierte Schubrate hatte in den 2 Jahren vor Studienbeginn 1,99 betragen. Danach sank dieser Wert auf 0,02 unter Eculizumab (Schübe bei 3 von 96 Patienten), und auf 0,35 unter Placebo (Schübe bei 20 von 47 Patienten).
  • Das Chancenverhältnis HR betrug somit 0,06 zugunsten von Eculizumab bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,02 – 0,20 (P
  • Während die Behinderungen gemäß EDSS unter Eculizumab durchschnittlich um 0,18 Punkte Abnahmen, gab es unter Placebo eine Verschlechterung um 0,12 Punkte. Allerdings wurde die Signifikanz mit einem 95%-KI, von -0.59 bis 0.01 knapp verfehlt.
  • Weil unter Eculizumab ein Risiko für lebensbedrohliche Meningokokken­infektionen besteht, waren alle Studienteilnehmer geimpft worden. Unterschiede bei den Nebenwirkungen zuungunsten von Eculizumab gab es dann vorwiegend bei Infektionen der oberen Atemwege (31 / 100 Patientenjahre gegenüber 19 unter Placebo), sowie beim Kopfweh (55 versus 38 / 100 Patientenjahre).

Klinische Bedeutung

Während Ecolizumab in Europa bislang nur zur Behandlung der paroxysmalen nächtlichen Hämoglobinurie zugelassen ist, erhielt die Herstellerfirma kürzlich in den USA eine Genehmigung der FDA für die in der Studie erfolgreich behandelte Patientenpopulation. Das Medikament wird dort mit Kosten von etwa einer halben Million Dollar (ca. € 450 Mio.) pro Jahr veranschlagt.

Finanzierung: Alexion Pharmaceuticals.