DMP aus Hausarztsicht: nicht schlecht, aber zu viel Bürokratie und zu wenig Honorar

  • Dtsch Med Wochenschr

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Rund anderthalb Jahrzehnte nach ihrer Einführung sind Disease-Management-Programme (DMP) fester und akzeptierter Bestandteil der hausärztlichen Versorgung. T rotz positiver Erfahrungen mit DMP gibt es aus Sicht von Hausärzte auch einige Probleme, wie eine Umfrage gezeigt hat.

Hintergrund

2003 wurden die DMP zur Verbesserung der Versorgung chronisch kranker Patienten im ambulanten Bereich eingerichtet. Seitdem wurde insbesondere unter Hausärzten immer wieder kontrovers über Sinn und Nutzen der DMP diskutiert. Die Autoren der vorliegenden Studie sind daher der Frage nachgegangen, „welche Einstellungs- und Erfahrungswerte Hausärzte in Bezug auf DMP vertreten, wie sie diese anderthalb Dekaden nach ihrer Einführung bilanzieren und wo sie Verbesserungsbedarfe ausmachen“. 

Design

Mittels schriftlicher Befragung wurden zwischen April und Juni 2019 insgesamt 752 Hausärzte in Hessen befragt. Gemessen an der Gesamtzahl aller angeschriebenen Ärzte betrug die Rücklaufquote 21 Prozent. Die Stichprobe war wie folgt strukturiert: 

  • Geschlecht: 53 % männlich, 47 % weiblich 
  • Praxisform: 53 % Einzelpraxen, 44 % Gemeinschaftspraxen, 3 % Sonstiges 
  • Durchschnittsalter: 56 Jahre 

Hauptergebnisse

  • 59 Prozent der Befragten beurteilen die DMP nach Angaben der Autoren positiv. Besonders positiv werden die Sicherstellung einer regelmäßigen, strukturierten Patientenbetreuung und die Verbesserung der Compliance gesehen. 
  • Als positiv gilt auch, dass die diagnostischen und therapeutischen Kenntnisse durch die DMP-Teilnahme erweitert werden konnten. 
  • 58 Prozent richten sich prinzipiell nach den DMP-Empfehlungen zur (medikamentösen) Therapie. 
  • Kritisiert werden Dokumentationspflichten, häufige organisatorische Veränderungen an den Programmen und eine weitgehende Starrheit des DMP-Konzepts. 
  • Die Kooperation mit fachärztlichen Kollegen werde häufig als unbefriedigend erlebt.

Klinische Bedeutung

Die Befragung zeigt, dass DMP mehr als anderthalb Jahrzehnte nach ihrer Einführung einen festen Stellenwert sowie eine insgesamt hohe Akzeptanz bei Hausärzten erlangt haben. Nicht nur nehme eine Mehrheit der Befragten an mehr als einem Programm teil. Anders als unmittelbar vor bzw. nach Einführung der Programme betonten Hausärzte heute vorrangig den Mehrwert und die Potenziale von DMP, wenn es um die Diagnostik, Verlaufsbegleitung und Therapie von chronisch kranken und multimorbiden Patienten gehe. 

Nichtsdestotrotz seien auch Schwachstellen zu erkennen, wie die Autoren weiter ausführen. Dazu zählten hoher bürokratischer Aufwand bei der Dokumentation und Patienten (wieder)einschreibung sowie bei der Kommunikation mit der DMP-Datenstelle, zudem häufige Veränderungen an den Programmen und mangelnde Flexibilität des DMP-Konzepts mit der Folge einer „übertriebenen Einengung von Handlungsspielräumen“. Außerdem komme es dadurch gelegentlichen zu Komplikationen im Praxisablauf. Aus den Ergebnissen geht zudem hervor, dass die Zusammenarbeit mit fachärztlichen Kollegen innerhalb von DMP häufig als unbefriedigend erlebt werde.

Aus der Sicht der Hausärzte sollte daher der Dokumentations- und Verwaltungsaufwands vereinfacht sowie die Zusammenarbeit mit anderen Versorgungsebenen verbessert werden. Darüber hinaus wünschen sie sich mehr Entscheidungsflexibilität, ein größeres und differenzierteres Angebot an Pflichtschulungen, den „verstärkten Einbezug von hausärztlichen Erfahrungen im Prozess der DMP-Weiterentwicklung“ sowie eine bessere Honorierung.

Finanzierung: keine Angaben