Disney-Filme vor der Chemotherapie?

  • JAMA Network Open

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Filme wie „Cinderella“ und „Das Dschungelbuch“ können Krebspatientinnen mit gynäkologischen Tumoren helfen, die psychischen und physischen Belastungen einer Chemotherapie besser zu ertragen, zeigt eine kleine, randomisierte Studie aus Wien.

Hintergrund

Die Erfassung der Nebenwirkungen von Krebstherapien und der Lebensqualität der Patienten hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Inwiefern dies durch das Anschauen von Filmen beeinflusst wird, wurde bisher noch kaum untersucht.

Design

Randomisierte klinische Studie an einem Überweisungszentrum für Krebspatienten in Wien. 56 Patientinnen mit gynäkologischen Tumoren, für die jeweils 6 Zyklen einer Platin-haltigen Chemotherapie geplant waren, durften währenddessen entweder auf portablen Abspielgeräten Disney-Filme anschauen oder nicht. Gemessen wurden emotionale und soziale Funktionen, die gefühlte Erschöpfung, und der globale Gesundheitsstatus mit 2 verschiedenen Fragebögen der EORTC zur Lebensqualität. Für jeden der 6 Zyklen wurde eine erste Befragung unmittelbar vor der Anwendung durchgeführt, die zweite vor Verlassen des Krankenhauses am gleichen Tag. Die Filme – unter anderem Cinderella, Mary Poppins und das Dschungelbuch – waren von den Forscher auch wegen ihres Alters ausgesucht worden, denn sie sollten Erinnerungen an die Vergangenheit hervorrufen und leichter zu verfolgen sein als neuere Produktionen. Außerdem hatten die Stories alle eine starke, neugierige Hauptfigur mit großem Selbstvertrauen; und sie hatten ein Happy-End.

Ergebnisse

  • Über den Verlauf der 6 Zyklen war die „Disney-Gruppe“ weniger angespannt und besorgt als die Kontrollgruppe. Bei den emotionalen Funktionen spiegelte sich dies in einem Wert von durchschnittlich 86,9 gegenüber 66,3 (P = 0,02).
  • Die Forscher notierten außerdem weniger Einbußen beim Familienleben der Patienten und den sozialen Aktivitäten. Bei den entsprechenden Fragen hatte die Disney-Gruppe mit durchschnittlich 86,1 versus 63,6 Punkten auch hier signifikant bessere Werte (P = 0,01).
  • Nach der Betrachtung der Filme hatten die Patientinnen auch weniger Fatigue-Symptome (85,5 vs. 66,4; P = 0,01). Lediglich beim globalen Gesundheitsstatus erreichte der gemessene Unterschied von 75,9 vs. 61,0 keine statistische Signifikanz (P = 0,16).

Bedeutung

Trotz einer geringen Anzahl von Teilnehmerinnen scheinen die Ergebnisse eindeutig: Das Betrachten von (sorgfältig ausgewählten) Filmen kann dazu beitragen, die unmittelbaren Belastungen einer Chemotherapie zu verringern. Ob andere Arten der Ablenkung ebenso erfolgreich wären, wurde allerdings nicht geprüft.

Finanzierung: Keine Angaben.