Digitale Technologien im Fokus auch der Urologie

  • Deutsche Gesellschaft für Urologie

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Die digitale Transformation schreitet voran - auch in der Medizin. Und wie in anderen medizinischen Fachgebieten versprechen sich ihre Protagonisten auch in der Urologie Fortschritte etwa durch Künstliche Intelligenz (KI) und Deep Machine Learning. Digitalisierung und Künstliche Intelligenz werden daher auch im Fokus der 71. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Urologie stehen. Das Motto des Kongresses, der vom 18. bis 21. September in Hamburg stattfinden wird, lautet: „Mensch, Maschine, Medizin, Wirtschaft“. 

So gut wie ein Pathologe

Nur ein Beispiel für die zunehmende Relevanz digitaler Technologien ist die Prostata-Diagnostik mit Hilfe Künstlicher Intelligenz. Mit Massen an radiologischen Bilddatensätzen werden Systeme für spezielle Aufgaben wie etwa die Erkennung und Vermessung von Metastasen trainiert. „Manche Systeme können inzwischen den Aggressivitätsgrad eines Tumors so gut wie der Pathologe diagnostizieren“, sagt Professor Maurice Stephan Michel. Das maschinelle Deep Learning, die Gewinnung von Wissen durch statistisch verifizierte Erfahrung mittels riesiger Mengen an Trainingsdaten und hierarchisch strukturierter Lernregeln, ist ein wesentlicher Bereich der KI. 

Fortschritte werden sich außerdem von Systemen erhofft, die die medizinische Vorgeschichte eines Patienten – ganz gleich ob auf Papier oder digital – einlesen und alle für die aktuelle Behandlung wichtigen Informationen daraus zu einem kompakten Datensatz generieren können. So könnte KI den behandelnden Ärzten viel Zeit ersparen, die sie für Gespräche mit Patienten und Angehörigen nutzen könnten.

Ärzte sollen letzte Instanz bleiben

Solche Systeme könnten in Zukunft außer der medizinischen Vorgeschichte auch die Ergebnisse klinischer Untersuchungen, Befunde aus Bildgebung und Labor analysieren und so bei der Diagnose und Wahl der Therapie helfen. „Anschließend obläge dem Arzt die Plausibilisierung der maschinellen Unterstützung, bevor er sie in seine Diagnose und Therapievorschläge für den Patienten umsetzt. Künstliche Intelligenz ist der ideale Berater, die letzte Instanz auf medizinischer Seite bleibt aber stets der Arzt, der mit Intuition und Menschenkenntnis agiert“, so Maurice Stephan Michel in einer Mitteilung der Fachgesellschaft.

Die Digitalisierung verspricht in so gut wie allen Fachgebieten große Chancen. Allerdings gebe es auch Risiken, so kürzlich der Aachener Pneumologe Professor Michael Dreher. Risiken liegen laut Dreher zum Beispiel in der Sicherheit im Umgang mit den Daten sowie der Datenhoheit.

Viele Bürger pro KI in der Medizin

Die Mehrheit der deutschen Bevölkerung - 67 Prozent - befürwortet übrigens den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Medizin. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Wissenschaftsjahres 2019 – Künstliche Intelligenz. Trotz der hohen Befürwortung von KI in der Medizin sehen die Bürger die Frage nach dem Vertrauen in KI-gestützte Diagnosen differenziert. Rund 23 Prozent sagen, dass sie einer ärztlichen Diagnose „eindeutig mehr“ oder „eher mehr“ vertrauen würden, wenn diese auf Unterstützung einer KI zurückgreift. 35 Prozent sind der Meinung, dass ihr Vertrauen nicht beeinflusst wird.

Bei der Bereitstellung von anonymisierten Gesundheitsdaten, die für einen effektiven KI-Einsatz in der Medizin notwendig sind, zeigen sich die Deutschen gespalten: So spricht sich zwar eine Mehrheit von 57 Prozent grundlegend dafür aus, Gesundheitsdaten anonymisiert bereitzustellen, wenn diese KI-Diagnosen verbessern. Über 30 Prozent verneinen jedoch diese Bereitschaft.