Die Zahl der Totgeburten in Europa ist ein Drittel höher als gedacht


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Erfassung von Totgeburten in Europa war bislang unvollständig und bezog sich auf Ereignisse ab der 28 Schwangerschaftswoche. Rechnet man die 6 Wochen davor mit ein, so steigt die Gesamtrate um ein Drittel. Im Jahr 2015 betrug die Gesamtzahl 9300 Babys bei 2,5 Millionen Geburten.

Hintergrund

Eine Voraussetzung, um die Zahl von Totgeburten zu reduzieren, sind zuverlässige Statistiken dazu, wie die Raten sich in Ländern mit unterschiedlichen Versorgungsstrukturen und Praktiken unterscheiden. Gegenwärtig werden solche Vergleiche nach Angaben der Autoren jedoch nur für Ereignisse ab der 28. Woche angestellt, wodurch die tatsächliche Anzahl unterschätzt würde.

Design

Ermöglicht wurde die Studie durch die zunehmende Erfassung von Totgeburten vor der 28. Schwangerschaftswoche in entwickelten Ländern, hier durch 19 europäische Länder, die an dem Projekt Euro-Peristat teilgenommen haben, und Daten ab der 22. Schwangerschaftswoche für die Jahre 2004, 2010 und 2015 bereitgestellt haben. Berechnet wurden die gepoolten Raten für Totgeburten mit einem Zufallseffekt-Modell nach Dauer der Schwangerschaft und Ländern.

Hauptergebnisse

  • Der Anteil der Totgeburten zwischen der 22. und 28 Schwangerschaftswoche betrug 32 % aller Totgeburten im Jahr 2015.
  • In den Jahren 2004 bis 2015 nahm die Rate dieser frühen Totgeburten von 0,97 auf 0,70 / 1000 Geburten ab. Das entspricht einer Reduktion von 25 % (Chancenverhältnis RR 0,75; 95%-Konfidenzintervall 0,65 – 0,85).
  • Die gepoolte Rate der Totgeburten von der 22. bis einschließlich der 23. Woche betrug im Jahr 2015 0,53 / 1000 Geburten und zeigte im Beobachtungszeitraum trotz starker Schwankungen zwischen einzelnen Ländern (0,4 – 0,8) keine signifikante Veränderung.
  • Die Gesamtzahl der tot geborenen Babys betrug in Europa im Jahr 2015 bei 2,5 Millionen Geburten. Für Deutschland betrugen die Zahlen 276 Babys vor der 24. Woche (11 %), 461 Babys von 24. bis einschließlich 27. Woche (18 %), und 1759 ab der 28. Woche, womit die Raten relativ nahe am europäische Durchschnitt lagen.

Klinische Bedeutung

In Europa gibt es offenbar ein Drittel mehr Totgeburten, als bisher geschätzt wurde. Als Erklärung für diese Differenz bieten die Autoren an, dass viele Länder Totgeburten erst ab der 28. Schwangerschaftswoche erfassen, wie dies auch von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen wird. Die Lücken in der Erfassung hätten jedoch erhebliche unvorhergesehene Auswirkungen auf Familien, sagte die Leiterin der Forschungsgruppe, Dr. Lucy Smith von der University of Leicester in einer Pressemitteilung. Sie sprach sich dafür aus, die Erfassungsschwelle zu senken.

Finanzierung: Europäische Union.