Die Zahl der Neuinfektionen mit HIV ist in Deutschand leicht rückläufig


  • Dr. Stefanie Reinberger
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Die Zahl der Neuinfektionen mit HIV waren in 2017 leicht rückläufig, wie aktuelle Schätzungen des Robert Koch-Instituts ergaben. Deutlich zurückgegangen ist die Zahl der Neuinfektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben.

Hintergrund

Das Wissen über die Zahl der Neuinfektionen mit HIV und insbesondere über die Infektionstrends in besonders gefährdete Personenkreisen erleichtert das Planen von Präventionsmaßnahmen. Es hilft außerdem, ausreichend geeignete medizinische Versorgung bereitzustellen und gesundheitspolitische Entscheidungen zu treffen. Jedoch lassen sich die Zahl der Neuinfektionen sowie die Gesamtzahl der Infizierten nicht direkt ermitteln. Denn oftmals erfolgt eine HIV-Diagnose erst viele Jahre nach der Infektion mit dem Virus. Das Robert Koch-Institut erstellt daher regelmäßig auf der Grundlage von Modellrechnungen Schätzungen zum Verlauf der HIV-Epidemie in Deutschland.

Studiendesign

Für die Schätzung der HIV-Infektionen werden Daten aus dem Melderegister gemäß Infektionsschutzgesetz, das AIDS-Fallregister mit AIDS- und HIV-Todesfallberichten an das RKI, die Todesursachen-Statistik der statistischen Landesämter sowie Verkaufsdaten zur antiretroviralen Therapie aus Apothekenabrechnungszentren herangezogen. Als Grundlage für die Schätzung dienten die Zahl der HIV-Diagnosen sowie statistische Angaben darüber, wie lange nach der Infektion Diagnosen erfolgen.

Hauptergebnisse

  • Insgesamt belaufen sich im Jahr 2017 die Schätzungen für die Zahl der Menschen mit einer HIV-Infektion in Deutschland auf 86.100.

  • Nach wie vor stellen Männer, die Sex mit Männern haben, mit rund 53.000 Infizierten die größte Gruppe an Betroffenen. Etwa 11.000 Infizierte sind heterosexuelle Männer und Frauen, weitere 8.100 Betroffene konsumieren intravenös Drogen.

  • Die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland sowie von Menschen deutscher Herkunft, die sich im Ausland infiziert haben, ist gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig. Die Schätzung für 2017 beläuft sich auf 2.700 – aktualisierte Schätzung für 2016 auf 2.900 Neuinfektionen.

  • Am stärksten ging die Zahl der geschätzten Neuinfektionen bei Männern, die Sex mit Männern haben, zurück. Während die Schätzungen in den Jahren 2012 und 2013 noch bei 2300 Neuinfektionen lagen und im Jahr 2006 sogar bei 2.600, sank 2017 die geschätzte Zahl auf 1700 von insgesamt 2.700 Neuinfektionen.

  • Dagegen ist die Zahl der Neuinfektionen durch heterosexuellen Kontakt seit 2012 leicht gestiegen.

  • Ebenfalls leicht gestiegen ist die Zahl der Neuinfektionen durch intravenösen Drogenkonsum.

  • Die Schätzungen für infizierte Personen nicht-deutscher Herkunft, die ihre HIV-Infektion im Ausland erworben haben, sind gleichbleibend.

  • Die geschätzte Zahl der nicht diagnostizierten HIV-Infektionen ist über die Jahre stetig gestiegen, von 10.800 im Jahr 2011 auf 11.400 im Jahr 2017. Im Vergleich dazu waren es 2016 geschätzte 11.200 Personen.

  • Unter den Menschen mit diagnostizierter HIV-Infektion ist der Anteil derer, die eine antiretrovirale Behandlung bekommen, von 78% im Jahr 2006 auf 92% im Jahr 2017 gestiegen. Damit wird das UNAIDS-Ziel, mindestens 90% der HIV-Infizierten zu behandeln, in Deutschland erfüllt. Demgegenüber stehen jedoch nach dem Schätzmodell rund 6000 infizierte Personen, die aktuell nicht behandelt werden.

  • Die Zahl der HIV-Infektionen, die erst beim Auftreten einer AIDS-Erkrankung diagnostiziert werden, ist seit 10 Jahren relativ konstant. Ein Ende der AIDS-Erkrankungen ist noch nicht in Sicht.

Klinische Bedeutung

Die Wissenschaftler des Robert Koch-Instituts interpretieren ihre Ergebnisse dahingehend, dass die Strategie der Bundesregierung zur Eindämmung der HIV-Epidemie erste Erfolge zeigt. Außer der Verwendung von Kondomen steht heute die orale Chemoprophylaxe (Präexpositionsprophylaxe) als erfolgsversprechende Strategie zur Verfügung. Ziel ist, in den kommenden Jahren Personen mit besonders hohem HIV-Infektionsrisiko damit zu erreichen. Eine weitere wichtige Säule ist, die Testbereitschaft zu erhöhen. Hier versprechen sich die Wissenschaftler große Fortschritte durch die seit September 2018 in Deutschland zugelassenen Selbsttests. Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass HIV-Selbsttests gut angenommen werden. Angestrebt wird außerdem, dass künftig alle Infizierten Zugang zu antiretroviraler Behandlung erhalten.

Finanzierung

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