Die Wurzeln mancher Alzheimer-Erkrankungen reichen womöglich bis in die Kindheit


  • Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei einem erhöhten genetischen Risiko für die Alzheimer-Erkrankung können Kognition und Hppokampus-Volumen bereits sehr früh im Leben beeinträchtigt sein. Bei manchen Patienten mit einer spät auftretenden Alzheimer-Demenz liegt womöglich eine zerebrale Entwicklungsstörung vor.

Hauptergebnisse

Die Berechnungen zeigten für die brasilanische Studien-Population, dass mit einer Zunahme beim polygenetischen Risikoscore die Gedächtnisleistungen abnahmen. Darüber hinaus hatten die brasilianischen Jugendlichen mit hohem Risikoscore ein vermindertes Hippokampus-Volumen (bilateral). Bei der kanadischen Studien-Population wurden keine signifikanten Zusammenhänge festgestellt.

Design

716 Kinder und Jugendliche (sechs bis 14 Jahre) aus zwei Städten in Brasilien (364 aus Porto Alegre und 352 aus São Paulo) sowie als dritte Gruppe 1024 Jugendliche (Durchschnittsalter 15 Jahre, 52 % weiblich) aus 481 kanadischen Familien europäischer (französischer) Herkunft. Untersucht wurde, ob es zwischen einem sogenannten polygenetischen Risikoscore  einerseits sowie Gedächtnisleistungen, Schreibfähigkeiten und Hippokampus-Volumen andererseits einen Zusammenhang gibt. Geprüft wurde die Hypothese, dass ein hoher Risikoscore mit vergleichsweise schlechteren Ergebnissen bei den Gedächtnis- und Schreibtests sowie einem geringeren Hippokampus-Volumen einhergeht. Bei der Population der kanadischen Jugendlichen wurden andere kognitive Tests angewendet sowie die MRT-Diagnostik modifiziert. 

Finanzierung: Staatliche Institutionen und Stiftungen (National Institute of Developmental Psychiatry for Children and Adolescents, São Paul, Canadian Institutes of Health Research, Heart and Stroke Foundation)

Klinische Bedeutung

Aus früheren Studien ist bekannt, dass es bei Erwachsenen zwischen genetischen Faktoren einerseits und einer zunehmenden Gedächtnisstörung sowie einem verminderten Hippokampus-Volumen andererseits einen Zusammenhang gibt. Die vorliegende Studie zeigt nun, dass es solche Zusammenhänge bereits im Kindesalter gibt, lange vor dem Auftreten der Demenz-Erkrankung. Neurodegenerative Erkrankungen wie die Alzheimer-Erkrankung könnten laut den Autoren auch zerebrale Entwicklungsstörungen sein. Aufgrund der Tatsache, dass es noch immer keine Medikamente oder anderen Therapien gibt, die Patienten mit der chronischen Erkrankung heilen können, liegt der Fokus seit einigen Jahren auf der Prävention. Die aktuelle Arbeit lässt schlussfolgern, dass präventive Maßnahmen bei Menschen mit erhöhtem Risiko bereits sehr früh im Leben indiziert sind. Wirksame präventive und therapeutische Maßnahmen sind weltweit unbedingt erforderlich. Allein in Deutschland sollen laut der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft  etwa rund 1,6 Millionen Demenzkranke leben; zwei Drittel von ihnen hätten die Alzheimer-Krankheit. Jahr für Jahr träten etwa 300.000 Neuerkrankungen auf.