Die „Verordnungs-Kaskade“: Erst Kalzium-Blocker, dann Beinödeme, dann Diuretika

  • JAMA Internal Medicine

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei älteren, über 65-Jahre alten Menschen ist die Verordnung von Kalzium-Antagonisten mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit dafür einhergegangen, dass später Schleifendiuretika verordnet worden sind. 

Hintergrund

Kalzium-Antagonisten zählen zu den häufig verwendeten Blutdrucksenkern. Eine bekannte Nebenwirkung der Dihydropyridin-Kalzium-Blocker - ein Beispiel ist Amlodipin - sind Ödeme der unteren Extremitäten. In der vorliegenden Studie gingen die Autoren der Frage nach, ob es einen Zusammenhang zwischen der Behandlung mit Kalzium- Antagonisten vom Dihydropyridin-Typ und einer nachfolgenden Diuretika-Therapie wegen peripheren Ödem gibt.

Design

Ausgewertet wurden für die Beobachtungsstudie Daten von 41.086 Erwachsenen mit erstmaliger Verordnung eines Dihydropyridin-Kalzium-Blockers. Diese Population wurde zum einen mit 66.494 Patienten verglichen, die andere Antihypertensiva erhielten, sowie zum anderen mit 231.439 Personen, die völlig andere Medikamente, also keine Antihypertensiva, bekamen.

Hauptergebnisse

  • Patienten, die Kalzium-Antagonisten vom Dihydropyridin-Typ erhielten, bekamen im Vergleich zu den anderen Patienten im weiteren Verlauf (innerhalb von 90 Tagen) häufiger Schleifendiuretika verordnet (1,4 Prozent versus 0,7 und 0,5 Prozent).
  • Die Unterschiede bei der Wahrscheinlichkeit für die Verordnung von Schleifendiuretika waren auch dann noch vorhanden, wenn relevante Einflussfaktoren wie etwa Begleiterkrankungen berücksichtigt wurden.
  • Die Berechnungen ergaben, dass Patienten mit Kalzium-Antagonisten im Vergleich zu Patienten mit ACE-Hemmern oder Sartanen eine um 68 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit hatten, innerhalb der ersten 30 Tage ein Schleifendiuretikum verordnet zu bekommen.  Für den Zeitraum vom Tag 31 bis zum Tag 60 ergab sich eine Zunahme der Wahrscheinlichkeit um 126 Prozent  (HR 2,26; 95% C: 1,76-2,92 ); für den Zeitraum vom Tag 61 bis 90 ermittelten die Autoren eine Zunahme um 140 Prozent  (HR 2,40; 95% CI 1,84-3,13).
  • Im Vergleich zu den Patienten mit anderen Medikamenten betrugen die Werte 151 Prozent (HR 2,51; 95% CI 2,13-2,96 ), 199 Prozent (2,99; 95% CI 2,43-3,69 ) und 289 Prozent (3,89; 95% CI 3,11-4,87). Der Zusammenhang blieb auch dann bestehen, wenn nur die Patienten der Gruppe mit Kalzium-Antagonisten berücksichtigt wurden, die Amlodipin erhielten.

Klinische Bedeutung

Es könnte sein, dass die Diuretika wegen Ödemen als Folge der Therapie mit Kalzium-Antagonisten verordnet wurden. Leider lagen den Autoren keine Informationen zu den Gründen für die Diuretika-Verordnungen vor. Gleichwohl erinnert die Beobachtungsstudie an das bekannte Phänomen der so genannten „Verordnungs-Kaskade“:  die Nebenwirkung eines Medikamentes A führt zur Verordnung des Medikamentes B, gegen dessen Nebenwirkung dann mit dem Medikament C vorgegangen wird.

Finanzierung: Canadian Institutes of Health Research.