Die Surfer-Myelopathie – eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung

  • Sports Orthop Traumatol

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften 

Surfen ist ein Sport, der wie viele Sportarten nicht ganz frei von Risiken ist. Den Wellenreitern drohen auch keineswegs nur beiß- und fressfreudige Haie. Eine sehr seltene, aber schwerwiegende „Komplikation“ des Wellenreitens sind offenbar Rückenmarksinfarkte, wie der Neurochirurg und Surfer Dr. Markus Knöringer berichtet.

Immer mehr Surfanfänger zu erwarten

Surfen ist laut Knöringer keine Randsportart mehr, sondern ein „Massensport mit weltweit 37 Millionen Surfern“; Wellenreiten ist auch längst nicht mehr auf die Küsten vor Hawai, Kalifornien und Australien beschränkt. Denn durch Flusswellen und künstliche Wellenanlagen werde die Sportart auch bei uns praktikabel. Zudem „schießen Surfschulen am Meer aus dem Boden, denn wer auf der stehenden Welle surfen gelernt hat, will es auch auf der echten brechenden Welle versuchen“. Bei der daher zu erwartenden hohen Zahl an Surfanfängern sollten Sportmediziner über die seltene, aber folgenschwere Erkrankung „Myelopathie des Surfers“ (Surfer’s myelopathy, SM) im Bilde sein, rät der Neurochirurg aus Miesbach in Bayern.  

Typisch: plötzliche Rückenschmerzen, dann neurologische Ausfälle

Bei der Surfer-Myelopathie handelt es sich um einen nicht traumatisch bedingten Rückenmarksinfarkt. Charakteristisch sei folgendes Geschehen, so Knöringer:

Ein Surf-Novize befinde sich zum ersten Mal auf dem Brett und surfe. Plötzlich treten starke Rückenschmerzen auf, anschließend entwickeln sich zunehmend Parästhesien und Paresen in den Beinen, dann Blasen-, Mastdarmstörungen. Einige Stunden nach Auftreten der ersten Symptome erreichen die neurologischen Defizite ihr Maximum. Bei schweren Infarkten könnten die neurologischen Symptome dauerhaft persistieren.

Seither der wissenschaftlichen Erstbeschreibung 2004 wurden in der Fachliteratur weltweit bisher 67 Fälle beschrieben. Darüber hinaus gibt es inzwischen jedoch auch wissenschaftliche Berichte über das Auftreten der SM auch außerhalb des Surfens, etwa beim Turnen oder bei der Arbeit.

Hyperextension der vermutete Pathomechanismus

Die Pathogenese sei nicht ausreichend geklärt, berichtet der Neurochirurg. Vermutet werde in erster Linie eine Störung der spinalen Blutversorgung bei langer Hyperextension in Bauchlage, wie sie typischerweise beim Paddeln auf dem Surfboard eingenommen werde. Für die Hyperextension sprächen unter anderem Berichte über das Auftreten der SM während einer Hyperlordose beim Turnen oder Schwimmen. Zudem sei  2018 erstmalig mit Hilfe einer Angiographie einen Verschluss der A. Adamkiewicz (Arteria radicularis magna) nachgewiesen worden.

Als möglicher Pathomechanismus diskutiert wurde laut Knöringer auch eine venöse Ursache durch eine Kompression der Vena cava in Bauchlage beim Paddeln oder ein Valsalva Manover beim Aufspringen in die stehende Position. Weitere Erklärungsversuche seien eine fibrokartilaginäre Embolie und akute Bandscheibenvorfälle während axialer Belastung.

Diagnose, Therapie, Prävention

Nachzuweisen ist ein Rückenmarksinfarkt sicher in T2-gewichteten MRT-Aufnahmen. Die meisten Autoren setzten in der Behandlung auf eine so rasch wie möglich (innerhalb der ersten 8 Stunden) angesetzte hoch dosierte Steroid-Therapie mit Bolusgabe und Infusion über 23 Stunden ein. Die beste Therapie ist auch in  diesem Fall die Vorbeugung. Zur Prävention der Surfer Myelopathie empfiehlt Knöringer:

  • nicht über einen längeren Zeitraum unverändert die liegende Paddelposition einhalten;
  • zwischen den Wellen auf dem Surfbrett sitzen, Position auf dem Brett regelmäßig ändern, regelmäßig bewegen;
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr;
  • bei Symptomen wie plötzlichen starken Rü̈ckenschmerzen, Pelzigkeits-, Schwächegefühl während und nach dem Surfen medizinische Hilfe aufsuchen und
  • nach einer langen Anreise nicht sofort auf's Surfbrett!

Finanzierung: keine Angaben, keine Interessenkonflikte