Die Psychokardiologie - noch immer ein Stiefkind in der Aus- und Weiterbildung


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Psychische Gesundheit und Funktionalität des Herzens sind eng miteinander verbunden. Aufgrund der medizinischen und gesellschaftlichen Bedeutung psychosozialer Faktoren in der Kardiologie hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie ihr fünf Jahre altes Positionspapier dazu aktualisiert.

Hintergrund

Dass psychische und soziale Faktoren einen wichtigen Einfluss bei der Prävention, Entstehung und Prognose von Herzerkrankungen haben, ist seit Jahren auch durch die Forschung gut belegt. Besonders intensiv erforscht und bekannt ist der Zusammenhang von Depressionen und kardiovaskulären Erkrankungen. Psychosoziale Faktoren bei Herz-Kreislauferkrankungen sind infolge der zunehmenden wissenschaftlichen Erkenntnisse sowie der gesellschaftlichen Relevanz zunehmend in das Bewusstsein von Patienten, Ärzte und Kostenträgern gerückt. Aufgrund der rasch zunehmenden Evidenz hat die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie ein Update des gleichnamigen Positionspapiers von 2013 in Auftrag gegeben.

Hauptaussagen

  • Psychosoziale Faktoren wie niedriger sozialer Status, akuter oder chronischer Stress, Depression, Angst und Mangel an sozialer Unterstützung sind mit einem erhöhten Erkrankungsrisiko und mit einem ungünstigeren Krankheitsverlauf assoziiert.
  • Psychosoziale Belastungen und psychische Begleiterkrankungen sollten routinemäßig erfasst werden, um gezielt diagnostisch und therapeutisch vorgehen zu können. Soziale Faktoren wie niedrige Sozialschicht, mangelnde soziale Unterstützung und  psychische Faktoren wie Depressivität, Angst und posttraumatische Belastungsstörung könnten durch Fragen in der Anamnese oder geeignete Fragebögen erhoben werden.
  • Allen Patienten soll ein Therapieangebot gemacht werden, das ihr Alter und Geschlecht sowie individuelle Präferenzen berücksichtigt. 
  • Multimodale Behandlungsansätze sollten Wissensvermittlung, Sport- und Bewegungstherapie, Motivationsförderung sowie Entspannungsverfahren umfassen. 
  • Bei psychischer Komorbidität sollten psychosomatische Grundversorgung sowie Psychotherapien und/oder Medikation angeboten werden. Bei guter Wirksamkeit auf psychische Symptome ist ein Effekt hinsichtlich der kardialen Prognose nach Angaben der Autoren allerdings noch unklar.

Schlussfolgerungen

Bei der KHK, Herzinsuffizienz, Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen gibt es gute Belege für die Bedeutung psychosozialer Faktoren; eine Berücksichtigung in der kardiologischen Versorgung ist daher sinnvoll. Der Grad der Umsetzung in der klinischen Praxis sei jedoch unzureichend und der Effekt psychotherapeutischer bzw. pharmakologischer Interventionen auf die Prognose ungewiss, heißt es in dem Positionspapier. Psychokardiologische Inhalte sollten „vermehrt Eingang in die Fort- und Weiterbildung erhalten“.

Finanzierung: keine Angaben

Potenzielle Interessenkonflikte der Autoren: http://leitlinien.dgk.org