Die optische Kohärenztomographie könnte Alzheimer-typische Veränderungen der Retina erkennen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Pilotstudie mit 30 Teilnehmern zeigt, dass die Retina von Alzheimer-Patienten im präklinischen Stadium offenbar charakteristische Veränderungen aufweist, die mit der optischen Kohärenztomographie kostengünstig und nichtinvasiv nachgewiesen werden können. Deren differentialdiagnostische Relevanz muss aber noch in größeren Untersuchungen bestätigt werden.

Hintergrund

Trotz vieler Ansätze gibt es bisher noch kein praxistaugliches und preiswertes Verfahren, um die Alzheimer-Krankheit anhand physiologischer Parameter nicht-invasiv in einem frühen Stadium zu erkennen. Die optische Kohärenztomographie (OCT) ist ein weit verbreitetes Verfahren zur berührungsfreien Untersuchung des Augenhintergrundes, und da der Morbus Alzheimer auch zu Veränderungen der Retina führt, schien es vielversprechend, hier nach differentialdiagnostisch brauchbaren Parametern zu suchen.

Design

Ziel der Studie war es zu überprüfen, ob die OCT frühzeitig Veränderungen der Retina bei kognitiv unauffälligen Studienteilnehmern nachweisen kann, die mittels Biomarker-Nachweis (Amyloid-PET und/oder Liquoruntersuchung) als präklinische Alzheimer-Patienten diagnostiziert worden waren. Die Fall-kontrollierte Pilotstudie hatte 32 Teilnehmer und fand an einem Alzheimer-Zentrum der Washington-University in St. Louis (Missouri) statt.

Hauptergebnisse

  • 58 Augen von 30 Teilnehmern konnten ausgewertet werden, davon hatten 14 Personen eine Diagnose „präklinischer Alzheimer“ erhalten, und 16 dienten als Kontrolle.
  • Von 7 automatisch bestimmten Parametern der Retina erwiesen sich 2 als signifikant unterschiedlich zwischen den beiden Gruppen: Bei den Prä-AD-Patienten war die Ausdehnung der fovealen avaskulären Zone im Zentrum des Gelben Flecks mit durchschnittlich 0,364 mm2 deutlich größer als bei den Kontrollen mit 0,275 mm2 (P=0,002). Außerdem war in der ersten Gruppe die Dicke der inneren Fovea mit 66,0 µm gegenüber 75,4 µm bei den Kontrollen vermindert (P=0,03).

Klinische Bedeutung

Ein Nachweis der Vergrößerung der fovealen avaskulären Zone könnte eine nichtinvasive, kostengünstige und schnelle Screeningmethode darstellen, um Patienten mit präklinischem Alzheimer zu identifizieren, schreiben die Autoren. Tatsächlich wäre dies mit Kosten zwischen € 90 und € 140 für die OCT wesentlich günstiger und weniger aufwändig als beispielsweise eine Amyloid-Bestimmung mittels PET oder die – invasive – Liquoruntersuchung auf charakteristische Proteinfragmente. Die Fläche unter der Grenzwertoptimierungskurve als Maß für die Zuverlässigkeit der OCT-Messungen betrug indes „nur“ 0,8 (optimal wäre ein Wert von 1,0), und die Autoren konzedieren auch, dass das Ausmaß der Verdünnung der Fovea zwischen den Gruppen so stark überlappte, dass dieser Befund wenig klinischen Nutzen haben dürfte. Anders sieht es bei der Vergrößerung der fovealen avaskulären Zone aus, der ein „potenziell nützliches klinisches Screening-Werkzeug darstellen könnte“, wenn weitere Studien die relativ niedrige Rate an falsch-Positiven von unter 40 % bestätigen würden.

Finanzierung: Research to Prevent Blindness und Optovue.