Die Motorik von Patienten mit Chorea Huntington wird durch Pridopidin offenbar nicht gebessert


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Hoffnung, dass der „Dopamin-Stabilisator“ Pridopidin den Verlust motorischer Fähigkeiten bei Patienten mit Chorea Huntington verlangsamen könnte, hat sich in einer randomisierten Studie mit mehr als 400 Patienten nicht bestätigt. Auch in höheren Dosierungen war das Präparat gegenüber Placebo nicht wirksamer, es traten allerdings vermehrt schwere Nebenwirkungen auf.

Hintergrund

Zwei große randomisierte Studien haben in den vergangenen Jahren Hinweise erbracht, dass Pridopidin – ein kleines synthetisches Molekül, das den Botenstoff Dopamin stabilisieren soll - die motorischen Symptome der Huntington´schen Krankheit lindern könnte. Allerdings kamen diese Hinweise aus „exploratorischer Evidenz“; das primäre Studienziel einer Verbesserung des Gesamtmotor-Scores der Unified Huntington's Disease Rating Scale (UHDRS-TMS) war verfehlt worden. Gegenüber diesen früheren Untersuchungen hat man nun die Dosis erhöht, um zu testen, ob damit ein deutlicheres Signal ohne allzu starke Einbußen bei der Sicherheit und Verträglichkeit gefunden wird.

Design

Für die Phase-2-Studie PRIDE-HD wurden an 53 Zentren in 12 Ländern 408 Patienten ab 21 Jahren rekrutiert, die an der Huntington´schen Krankheit litten, 36 oder CAG-Repeats im Huntington-Gen trugen, einen UHDRS-TMS von mindestens 25 Punkten hatten, und die in ihrer Unabhängigkeit bereits eingeschränkt waren. Sie wurden auf 5 gleich große Gruppen randomisiert, die ein Jahr lang 2 mal täglich unterschiedliche Dosierungen von Pridopidin (45; 67,5; 90 oder 112,5 mg) oder Placebo erhielten.

Hauptergebnisse

  • Beim primären Studienziel, der Veränderung des UHDRS-TMS nach 26 Wochen im Vergleich zum Studienbeginn, gab es zwischen den verschiedenen Dosierungen und Placebo keinen signifikanten Unterschied.
  • An Nebenwirkungen wurden in allen Gruppen besonders häufig Durchfall und Erbrechen, Nasopharyngitis, Stürze, Kopfschmerzen und Angststörungen beobachtet. Im Zusammenhang mit Pridopidin traten Schlaflosigkeit, Durchfall, Übelkeit und Schwindel gehäuft auf.
  • Schwere Nebenwirkungen wurden nur unter Pridopidin beobachtet, und zwar: Stürze (n=5), Suizidversuche (n=4), Selbstmordgedanken (n=3), Kopfverletzungen (n=3) und Aspirations-Pneumonien (n=3), von denen eine tödlich endete.

Klinische Bedeutung

Die Autoren stellen fest, dass es ihnen nicht gelungen ist, die teilweise positiven Ergebnisse auf früheren Sekundär- und Tertiäranalysen zu bestätigen. Die Exploration der Langzeitdaten bis zu 52 Wochen ergab zwar Hinweise, dass 2 Mal 45 mg Pridopidin / Tag positive Effekte auf die Gesamtfunktion der Patienten haben könnte, allerdings waren diese nicht Dosis-abhängig und bedürften daher einer unabhängigen Bestätigung. In zukünftigen Studien müsse man darauf achten, einen möglicherweise starken Placebo-Effekt auszuschließen.

Finanzierung: Teva Pharmaceutical Industries.