Die Mortalität von Epilepsie-Patienten ist unter einer spezialisierten Versorgung am geringsten

  • JAMA Neurology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine retrospektive Kohortenstudie ergibt bei Epilepsie-Patienten sinkende Mortalitätsraten mit zunehmendem Spezialisierungsgrad der Versorgung.

Hintergrund

Das Risiko, frühzeitig zu sterben, ist unter Epilepsie-Patienten höher als in der Allgemeinbevölkerung. Gesucht werden Interventionen, die das Mortalitätsrisiko senken könnten.

Design

Retrospektive, offene Kohortenstudie mit allen erwachsenen Patienten, die in zwei kanadischen Registern in den Jahren 2002 bis 2016 erfasst wurden. Sie wurden in 3 Gruppen unterschieden, je nachdem, ob sie durch Nicht-Neurologen, Neurologen oder Epileptologen versorgt wurden. Primäres Studienziel war die Gesamtmortalität in diesen Gruppen.

Ergebnisse

  • In den Registern waren 23.653 Patienten erfasst, was einer jährlichen Inzidenz von 89 / 100.000 entspricht. Das Geschlechterverhältnis war ausgeglichen; das durchschnittliche Alter betrug 50,8 Jahre.
  • 60 % hatten keine spezialisierte neurologische Versorgung erhalten, 40 % wurden durch einen Neurologen betreut, und 9 % hatten (zusätzlich) im Rahmen des Comprehensive Calgary Epilepsy Programme eine spezialisierte epileptologische Versorgung erhalten. Unter den 4098 Todesfällen ereigneten sich 71 % ohne spezialisierte Versorgung, 26 % unter Betreuung eines Neurologen und 3 % unter dem speziellen Versorgungsprogramm.
  • Die standardisierten Mortalitätsraten betrugen für die gesamte Kohorte 7,2 %. In den 3 Gruppen waren es 9,4 % unter einer nicht spezialisierten Versorgung, 5,6 % unter neurologischer Betreuung und 2,8 % bei epileptologischer Spezialversorgung. Dies spiegelte sich auch in den Chancenverhältnissen HR für die Neurologie (0,85 bei einem 95%-Konfidenzintervall von 0,77 – 0,93) und für die Epileptologie (HR 0,49; 95%-KI 0,38 – 0,62).

Klinische Bedeutung

Der Befund lautet, dass – nach Adjustierung für Alter, Geschlecht, soziodemographische Faktoren, Krankheitslast und Komorbiditäten – eine intensivere Versorgung durch Spezialisten bei Epilepsie-Patienten mit einer geringeren Mortalität verbunden ist. Dies ist plausibel und wenig überraschend, auch wenn es hier anhand einer sehr großen und repräsentativen Gruppe von Patienten gezeigt wurde.

Finanzierung: Keine Angaben.