Die meisten Patienten verschweigen Ärzten medizinisch relevante Informationen


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp

Kernbotschaften

Ärzte müssen damit rechnen, dass ein Großteil ihrer Patienten Informationen zurückhält. Besonders häufig verschweigen Patienten, wenn sie mit den ärztlichen Empfehlungen nicht einverstanden sind oder diese nicht verstanden haben.

Hintergrund

Die Genauigkeit von Diagnosen und die Wirksamkeit nachfolgender Therapien hängen unter anderem davon ab, wie zuverlässig die Informationen sind, die Patienten ihren Ärzten geben. Die Forschungen hierzu sind nicht sehr umfangreich, legen aber nahe, dass ein erheblicher Teil der Patienten wichtige Informationen verschweigt – beispielsweise aus Scham oder Sorge um den Datenschutz.

Design

Ziel der Untersuchung war es herauszufinden, welche Arten von Informationen Ärzten am häufigsten verschwiegen werden, und die Gründe dafür. Dazu wurden zwei Dienstleister mit der Online-Befragung erwachsener US-Amerikaner beauftragt, und nach Anwendung verschiedener Ausschlusskriterien 2011 bzw. 2499 Personen in den Analysen berücksichtigt. Diese waren im Durchschnitt 36 bzw. 61 Jahre alt.

Hauptergebnisse

  • Der Anteil der Studienteilnehmer, die in den beiden Umfragen mindestens eine Art von Information verschwiegen, betrug 81,1 % bzw. 61,4 %.
  • Am häufigsten wurde verschwiegen, dass man mit den Empfehlungen des Arztes nicht einverstanden war (45,7 % bzw. 31,4 %), und dass Anweisungen des Arztes nicht verstanden wurden (31,8 % bzw. 24,3 %).
  • Die Gründe, dies nicht zuzugeben, waren, dass die Befragten nicht verurteilt oder belehrt werden wollten (81,8 % bzw. 64,1 %); dass man nicht hören wollte, wie schädlich das eigene Verhalten ist (75,7 % bzw. 61,1 %); oder dass etwas peinlich war (60,9 % bzw. 49,9 %).

Klinische Bedeutung

In dieser Befragung von US-amerikanischen Erwachsenen berichteten die weitaus meisten, ihren Ärzten schon einmal medizinisch relevante Informationen vorenthalten zu haben. Dies geschieht nicht aus bösem Willen, sondern besonders häufig, um einen „schlechten Eindruck“ zu vermeiden, oder weil die Befragten keine Belehrungen über sich ergehen lassen wollen. Im Umkehrschluss dürften Ärzte, die hier besonderes Feingefühl entwickeln, das Vertrauen ihrer Patienten stärken und als „Belohnung“ zuverlässigere Informationen ernten.

Finanzierung: University of Michigan Division of General Medicine.