Die meisten Knietotal- und auch Hüftprothesen halten mehr als 20 Jahre


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Hüft- und Knieprothesen haben recht lange Standzeiten. Von zehn Knie-Totalprothesen sind nach 25 Jahren immer noch acht implantiert, bei Hüftprothesen sind es sechs von zehn Endoprothesen. 

Hintergrund

Die Implantation von Endoprothesen ist bei Patienten mit Arthrose oder anderen Erkrankungen von Hüft- und Kniegelenk seit vielen Jahren eine Routine-Therapie. Dazu beigetragen hat eine Vielzahl von unterschiedlichen Implantaten, wobei Fortschritte in der Endoprothetik heute vor allem durch verbesserte Struktur- und Prozessqualität zu erzielen sind.

Ein für die Patienten-Aufklärung und für die Beurteilung dieser invasiven Therapien wichtiges Kriterium ist die sogenannte Prothesen-Standzeit, also die Zeit bis zu einem unumgänglichen Prothesen-Austausch, etwa wegen einer Lockerung oder Infektion. Dieser Frage nach der Haltbarkeit von Hüft- und Knieendoprothesen sind nun britische Wissenschaftler nachgegangen. 

Design

Ausgewertet wurden Studien und Register-Daten der vergangenen 25 Jahre aus sechs Ländern (Australien, Finnland, Schweden, Neuseeland, Dänemark und Norwegen).

Über 200.000 Coxarthrose-Patienten hatten eine Hüftprothese, die bereits 15 Jahre hielt, rund 74.000 Patienten eine Hüftprothese mit einer Standzeit von 20 Jahren und mehr als 51.000 Coxarthrose-Patienten eine Prothese, deren Implantation schon 25 Jahre her war.

299.221 Gonarthrose-Patienten hatten eine totale Knieendoprothese und 7714 eine unicondyläre Prothese mit einer Standzeit von 15 Jahren. 88.532 Knietotalprothesen und  3935 unicondyläre Prothesen waren 20 Jahre alt, 76.651 Total- und 3935 unicondyläre Knieprothesen sogar 25 Jahre.

Hauptergebnisse

Die Auswertung der gepolten Daten aus den Studien und Registern ergab:

  • Von den Hüftprothesen waren nach 15 Jahren noch 89 Prozent implantiert, nach 20 Jahren noch 70 und nach 25 Jahren noch 58 Prozent.
  • Beim Kniegelenkersatz waren nach 15 Jahren noch 93 Prozent der Totalprothesen und 77 Prozent der unicondylären Prothesen implantiert, nach 20 Jahren waren es 90 und 72 Prozent, nach 25 Jahren 82 und 70 Prozent.

Klinische Bedeutung

Randomisierte und kontrollierte Studien zu neuen Endoprothesen sind im Vergleich zu solchen Studien mit Arzneimitteln rar. Zudem klafft zwischen solchen Studien und der Versorgungsrealität oft eine Lücke. Biomechanische Tests reichen alleine nicht aus, um die Qualität von künstlichen Hüft- und Kniegelenken zu beurteilen. Eine wichtige Datengrundlage sind daher Fallkontroll-Studien und vor allem Endoprothesenregister. Solche Studien und Register sowie ihre systematische Auswertung können behandelnden Ärzten, Prothesen-Herstellern und Forschern wichtige Informationen liefern, etwa zu Problemen mit speziellen Implantaten und Werkstoffen, zu Operationsverfahren oder auch zum Zusammenhang zwischen Patienten-Eigenschaften wie Alter oder Gewicht und Prothesen-Haltbarkeit. Die vorliegende systematische Auswertung zeigt nun vor allem, wie lange Hüft- und Knieendoprothesen ungefähr halten können. Sie liefert damit nützliche Langzeit-Daten für die präoperative Aufklärung der Patienten. Eingeschränkt wird die Aussagekraft der Analyse unter anderem durch in manchen Studien unvollständige Daten zu den Standzeiten und auch durch mangelnde Informationen zu Patienten-Eigenschaften.

Finanzierung: National Institute for Health Research, National Joint Registry for England, Wales, Northern Ireland and Isle of Man, The Royal College of Surgeons of England