Die meisten Erstsymptome einer Krebserkrankung treten bereits in früheren Stadien auf

  • Lancet Oncology

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine englische Querschnittsstudie über den Zusammenhang zwischen den Erstsymptomen einer Krebserkrankung und dem diagnostizierten Krankheitsstadium findet zwar variable Assoziationen, bestätigt aber die Rationale der Früherkennung.

Hintergrund

Zwar gibt es neben Screening-Programmen auch immer wieder öffentliche Kampagnen zur Krebsfrüherkennung. Der Nutzen dieser Kampagnen wäre jedoch zweifelhaft, wenn die ins Visier genommenen Symptome lediglich für die fortgeschrittenen Stadien der jeweiligen Krebserkrankungen charakteristisch wären. Ziel der Autoren war es deshalb, die Assoziationen zwischen häufigen anfänglichen Krebssymptomen und dem Stadium der Krankheit bei der Diagnose zu ermitteln.

Design

In dieser Querschnittstudie anhand von Daten des English National Cancer Diagnosis Audit 2014 wurden 7997 Patienten im Mindestalter von 25 Jahren einbezogen, die an einem von 12 verschiedenen soliden Tumoren erkrankt waren. Erfasst wurden die 20 häufigsten Symptome bei der Erstpräsentation und deren Assoziation mit dem Krankheitsstadium bei der Diagnose.

Ergebnisse

  • Die Wahrscheinlichkeit, mit einer Krebserkrankung im Stadium 4 diagnostiziert zu werden variierte erheblich in Abhängigkeit vom Erstsymptom: Mit einem ungewöhnlichen Leberfleck waren es zum Beispiel nur 1% (8 von 584 Patienten), bei einem Knoten im Nacken jedoch 80% (84 von 105).
  • Neben einem Knoten im Nacken waren auch Schmerzen in der Brust und Rückenschmerzen durchgehend mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine Erkrankung im Stadium 4 assoziiert, sowohl einzeln als auch in Kombination mit anderen Symptomen.
  • Eine niedrigere Wahrscheinlichkeit für eine fortgeschritten Krebserkrankung hatten Patienten mit ungewöhnlichen Leberflecken, Knoten in der Brust, postmenopausalen oder rektalen Blutungen als Erstsymptomen.

Klinische Bedeutung

Bei der Mehrheit der Erstsymptome (13 von 20) wurden mehr als die Hälfte der Patienten in Stadium 1–3 diagnostiziert. Die Befürchtung, dass Interventionen mit dem Schwerpunkt auf häufigen Krebssymptomen lediglich die Entdeckung fortgeschrittener Krebserkrankungen beschleunigen würden, ist demnach unzutreffend.

Finanzierung: UK Department of Health’s Policy Research Unit in Cancer Awareness, Screening and Early Diagnosis und Cancer Research UK.