Die Medien im Blick: Aufklärungskampagne zu Adipositas

  • DAG; IFB

  • aus Karl-Heinz Patzer
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) und das Interdisziplinäre Forschungs-und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen haben die Medien dazu aufgerufen, künftig die Stigmatisierung und Diskriminierung von Menschen mit Übergewicht zu vermeiden und dazu einen „Medienleitfaden Adipositas“ erstellt. Damit soll den Vorurteilen gegenüber krankhaft dicken Menschen in der gesamten Gesellschaft entgegengewirkt werden.

Hintergrund

Nach dem WHO-Referenzsystem leiden nach einer vom Robert Koch-Institut durchgeführten Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2) mehr als 26 Prozent der 5- bis 17-Jährigen an Übergewicht, fast 9 Prozent sind von Adipositas betroffen (1). In der Versorgung dieser Kinder und Jugendlichen gibt es nach Ansicht der DAG erhebliche Defizite: So würden in Deutschland überzeugende, wissenschaftlich-basierte Behandlungs- und Betreuungskonzepte im Gesundheitssystem nicht unterstützt und in der Regel von den Kostenträgern nicht finanziert. Zudem herrschten in der Gesellschaft viele Vorurteile, die den notwendigen, frühen Therapiebeginn häufig sogar ganz verhinderten. Menschen mit Übergewicht würden von Kindesbeinen an stigmatisiert. „Betroffene sind tagtäglich Diskriminierung ausgesetzt – in der Familie, am Arbeitsplatz, in den Medien und leider auch im Gesundheitssystem“, sagt Prof. Martin Wabitsch, DAG-Tagungspräsident und Leiter der Sektion Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie am Universitätsklinikum Ulm. Unzulässige Zuschreibungen lauteten oft: „fett, faul und gefräßig“ sowie „charakter- und willensschwach“. Wabitsch: „Diese Vorurteile sind häufig auch ein Hindernis beim Einstieg in die Berufswelt. Bei der Einstellung werden junge Heranwachsende aufgrund ihres Äußeren oftmals benachteiligt – und dies bei gleicher oder gar höherer fachlicher Qualifikation.“

Kampagnenziel

Weil die Medien eine zentrale Rolle für die Wahrnehmung von Übergewicht und Adipositas in der Gesellschaft einnehmen, fordern DAG und IBF alle Journalisten und Medienschaffenden auf, künftig verantwortungsbewusster bei der Darstellung übergewichtiger Menschen zu sein. Übergewicht müsse als chronische Erkrankung mit multi-faktorieller Genese vermittelt werden, eindimensionale Schuldzuweisungen an Betroffene seien ebenso zu vermeiden wie Simplifizierungen bei therapeutischen Ratschlägen frei nach dem Motto „weniger essen, mehr bewegen“. Zur weiteren Aufklärung über die Krankheit Übergewicht beziehungsweise Adipositas wurde eigens ein Medienleitfaden erstellt (2). Er soll indirekt dabei helfen, die Abwertung und soziale Ausgrenzung, die Betroffene häufig erfahren, zu verhindern. Unsachliche Bemerkungen und Kommentare haben nach Meinung von DAG und IFB oft auch psychische Störungen zur Folge. Gerade bei Kindern und Jugendlichen aber liege die Schuld an einem zu hohen Körpergewicht nicht bei ihnen selbst. „Welches Körpergewicht ein Mensch hat, ist zunächst genetisch bedingt und wird in der frühen Kindheit geprägt“, erklärt Prof. Wabitsch. „Die Lebensbedingungen, unter denen Kinder und Jugendliche heute aufwachsen, also ein überreichliches, zu fettes, zu süßes, zu salziges Angebot hoch verarbeiteter Lebensmittel sowie der weit verbreitete Bewegungsmangel unterstützen die Ausprägung der Adipositas und wirken sich ungünstig auf den Stoffwechsel aus.“

Ausblick

Über die Folgen der mit Übergewicht einhergehenden Stigmatisierung für die Betroffenen und die Möglichkeiten verbesserter Aufklärung über die Krankheit diskutieren Experten im Rahmen der gemeinsamen DDG Herbsttagung und DAG Jahrestagung am 9. November in Wiesbaden.