Die Kosten der Glaukom-Therapie sind besonders in Entwicklungsländern oft prohibitiv


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die Kosten für medikamentöse und chirurgische Therapien gegen das Glaukom liegen weltweit zwischen 0,1 % und 42 % des medianen jährlichen Haushaltseinkommens (MA-HHI). Nimmt man als Grenze für die zumutbare Belastung 2,5 % des MA-HHI, so sind mit Ausnahme von Timolol alle Therapien für den Großteil der Entwicklungsländer unerschwinglich.

Hintergrund

Die beste Therapie hilft nichts, wenn die Patienten sie nicht bezahlen können. Eine sehr häufige Krankheit, für die es nur wenige Daten gibt, ist das Glaukom. Vor diesem Hintergrund haben die Autoren dieser Studie die Kosten topischer Wirkstoffe sowie von Laser-Trabekuloplastik und Trabekulektomie in mehr und weniger entwickelten Ländern erfasst und miteinander verglichen.

Design

Beobachtende Querschnittsstudie, bei der die Preise von Glaukom-Arzneien, Laser-Trabekuloplastik und Trabekulektomie für 17 Industrie- und 21 Entwicklungsländer zusammengetragen wurden. Die Quellen dafür waren Preisangaben der Regierungen bzw. zuständigen Behörden, Medikamentendatenbanken, ärztliche Gebührenabrechnungen, akademische Publikationen und Gespräche mit örtlichen Ophthalmologen. Die Preise wurden gemäß der Kaufkraft adjustiert und unter Berücksichtigung der Inflation in US-Dollar (Stichjahr 2016) umgerechnet. Als erschwinglich galten Therapien, die weniger als 2,5 Prozent des MA-HHI kosteten.

Hauptergebnisse

  • Für Timolol variierten die Kosten unter den Ländern zwischen 0,1 % und 5 % des MA-HHI. Nur in zwei Ländern wurde die „Erschwinglichkeits-Grenze“ von 2,5 % überschritten, sodass dieses Präparat die günstigste der untersuchten Therapien war.
  • Für Latanoprost betrug die Spannweite 0,1 % bis 27 % des MA-HHI, und während die Arznei in allen Industrieländern als bezahlbar eingestuft wurde, war dies mit mehr als 2,5 % bei 75 % aller untersuchten Entwicklungsländer nicht der Fall.
  • Die Laser-Trabekuloplastik beanspruchte zwischen 0,2 % und 17 % des MA-HHI; sie wurde in 15 Ländern als unerschwinglich eingestuft, darunter 11 Entwicklungsländer.
  • Mit einer Spanweite von 0,3 % bis 42 % erwies sich die Trabekulektomie als teuerste Methode, sie war in 18 Entwicklungsländern  (95 %) und in 10 Industrieländern jenseits des 2,5 %-Limits

Klinische Bedeutung

Die Schlussfolgerung der Studie lautet, dass die Kosten der Behandlung des Glaukoms für viele Patienten zu hoch sei und dass man die Interventionen erschwinglicher machen müsse, wenn man die Erblindungen durch diese Krankheit weltweit reduzieren will. Wie dieses Ziel erreicht werden soll, war allerdings nicht Gegenstand dieser Untersuchung.

Finanzierung: National Institutes of Health, Research to Prevent Blindness, W.K. Kellog Foundation.