Die Kehrseite zu intensiven Kickens im Wachstumsalter: erst O-Beine, dann Arthrose

  • Deutsches Ärzteblatt

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Wie fast alles im Leben, das Spaß macht, hat auch Fußballspielen Schattenseiten. Eine unerfreuliche Folge des Kickens können zum Beispiel O-Beine sein. Gefährdet sind junge Kicker die bereits im Wachstumsalter sehr intensiv trainieren und spielen. Daran erinnert nun Dr. Florian Wolf von der LMU München, der mit seinen Kollegen dazu eine Studie durchgeführt hat. Ende Juni will der Orthopäde und Unfallchirurg die Ergebnisse in Salzburg auf dem Internationalen Kongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizinvorstellen. 

Wiederholte Mikrotraumata

Der Hauptgrund für die Entwicklung von O-Beinen scheint laut Wolf in den noch aktiven, offenen Wachstumsfugen zu liegen. Diese schließen sich regelhaft bei Mädchen zum 14./15. Lebensjahr, bei Jungen sogar erst zum 16. Lebensjahr. Möglicherweise entstehen durch das intensive Training bei wiederholten Mikrotraumata schädigende Effekte am Schienbeinkopf. Daraus können später Deformitäten am Schienbein resultieren“, so Wolf. Eine mögliche Folge der Varus-Fehlstellung ist eine relativ frühe Gonarthrose, die die Implantation einer Endoprothese notwendig macht.

Therapie bei sehr ausgeprägten O-Beinen operativ

Patienten mit O-Beinen oder Schmerzen am inneren Kniegelenksspalt sollten sich einer sorgfältigen klinischen und radiologischen Untersuchung mit Analyse der Beingeometrie unterziehen. Ab einem bestimmten Grad der Abweichung, beziehungsweise der Beschwerden, sei eine operative Achskorrektur der Beine zu erwägen, so Wolf. Ein solcher korrigierender Eingriff kann heute auch minimal-invasiv durchgeführt werden. Die Patienten gehen im Anschluss durchschnittlich vier bis sechs Wochen unter Teilbelastung an Gehstützen und können dann wieder sportlich aktiv sein. Patienten mit nur leichter O-Bein-Stellung ohne anhaltende Beschwerden sollten konservativ behandelt werden. Zu empfehlen sind das Meiden besonderer Spitzenbelastungen, die Kräftigung der Muskulatur, eine Schuhaußenranderhöhung und entzündungshemmende Medikamente. 

Metaanalyse: O-Beine bereits bei jungen Kickern

Für ihre Studie analysierten Wolf und seine Kollegen die vorhandene wissenschaftliche Literatur und fasste die Ergebnisse anschließend zusammen. Dabei schloss die Analyse drei internationale Studien mit zusammen über 1300 jungen männlichen Leistungs-Fußballern und vergleichbar große Kontrollgruppen ein. Hauptergebnisse: Selbst bei jungen Kickern sind O-Beine schon deutlich häufiger als in der Normalbevölkerung. Die Differenz des interkondylären Abstands zwischen den beiden Gruppen betrug signifikante 1,5 Zentimeter, wie das Team 2018 im „Deutschen Ärzteblatt“berichtete. Zwei weitere, nicht in der Metaanalyse berücksichtigte Studien, weisen den Autoren zufolge in die gleiche Richtung. „Asymmetrische, varische Muskelkräfte und vermehrte varische Belastungen an den kniegelenksnahen Wachstumsfugen scheinen besonders im präpubertären Wachstumsschub ursächlich.“ Die Forscher betonten jedoch ausdrücklich, dass die Ergebnisse nicht auf den Breitensport zu übertragen seien.

Das Phänomen der O-Beine bei heranwachsenden Leistungssportlern wird im Übrigen in geringerem Ausmaß auch bei anderen high-impact Sportarten wie Tennis, Handball und Volleyball beschrieben. Auch hier werden als eine Ursache die häufigen, schnellen Richtungswechsel vermutet.