Die große Sorge: Patient geheilt, Chirurg krank


  • Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Chirurgen in Deutschland klagten zunehmend über Burnout oder seien davon bedroht, warnt die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie. Über die Gründe hierfür diskutieren Experten auf dem 136. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), der vom 26. bis 29. März 2019 unter dem Motto „Volle Kraft voraus – mit Herz, Hand und Verstand“ in München stattfindet.

Große Fortschritte, steigende Burnout-Raten

Auf der einen Seite macht der Fortschritt in der Chirurgie immer mehr möglich. Wo früher ausgedehnte Narben entstanden, sind heute oft nur kleine Schnitte erforderlich, sogar bei Malignomen. Auch Wirbelsäulen-Operationen oder die Implantation von künstlichen Hüftgelenken stellen selbst für hochbetagte Patienten häufig kein unvertretbares Risiko mehr dar. Auf der anderen Seite berichten Studien über steigende Burnout-Raten bei Klinikärzten.

Stark gefährdet: Assistenz- und Fachärzte in großen Kliniken

Untersuchungen aus dem Jahr 2014 zeigen, dass fast zwei Drittel der deutschen Klinikärzte negativen Stress im Übermaß erleben, ein Viertel hat den Wunsch, aus der klinischen Tätigkeit auszusteigen. Eine britische Studie von 2018 spricht von Burnout unter Ärzten als „Epidemie“. Die Gefahr für ein Burnout sei für Chirurgen in Deutschland groß, berichtete erst kürzlich ein Autorenteam um die Psychologen Marcel Kern und Professor Dieter Zapf von der Universität in Frankfurt am Main („Der Chirurg“). Besonders gefährdet seien Assistenz- und Fachärzte aus großen Kliniken. Die Autoren hatten 643 Chirurgen aus unterschiedlichen Krankenhäusern und allen Fachgebieten online zu ihrer Arbeitssituation und damit im Zusammenhang stehenden Parametern befragt. Ein besonders relevanter Faktor für Chirurgen ist der Befragung zufolge Zeitdruck. Darüber hinaus ergaben sich besonders für Assistenz- und Fachärzte ungünstige Belastungskombinationen aus hoher Unsicherheit bei der Zielerreichung und fehlenden Handlungsspielräumen, gepaart mit sehr hohen Erschöpfungswerten und niedriger Arbeitszufriedenheit.

Zu viel Bürokratie und ökonomische Zwänge

Ursachen für die zunehmende Gesundheitsgefährdung sind der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) zufolge vor allem ein Übermaß an Bürokratie, Multitasking, häufige Unterbrechungen sowie fachfremde ökonomische und politische Zwängen. „Zusammen mit Zeitnot und Personalunterbesetzung führt das zu Frustration und Ohnmachtserleben“, kritisiert DGCH-Präsident Professor Dr. med. Matthias Anthuber. „Es wird höchste Zeit gegenzusteuern. Ärzte, die in Deutschland bestens ausgebildet wurden, dürfen wir vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung auf keinen Fall für die kurative Medizin im Krankenhaus oder auch in der Praxis verlieren.“ Es sei eine konzertierte Maßnahme aller Akteure des Gesundheitswesens notwendig, um eine hohe Qualität in den operativen Disziplinen aufrechtzuerhalten, so auch Marcel Kern und seine Kollegen.