Die Größe des mütterlichen Freundeskreises korreliert mit der geistigen Entwicklung ihrer Kinder


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

In einer vergleichsweise unterprivilegierten US-amerikanischen Kohorte zeigte sich eine grenzwertig signifikante Assoziation zwischen der Größe sozialer Netze der Mutter und der frühkindlichen kognitiven Entwicklung.

Hintergrund

Die Umgebung, in der Kinder aufwachsen, beeinflusst deren geistige Entwicklung. Hier wurde spezifisch danach gefragt, wie sich die sozialen Beziehungen der Mütter auf die frühe Entwicklung auswirken und ob Veränderungen in den sozialen Netzwerken veränderte Entwicklungsmuster mit sich bringen.

Design

Kohortenstudie mit 1082 Mutter-Kind-Paaren aus dem US-Bundesstaat Tennessee, darunter annähernd 2/3 Afro-Amerikanerinnen, im Rahmen des Projektes CANDLE (Conditions Affecting Neurocognitive Development and Learning in Early Childhood) des Health Science Center der Universität Tennessee. Erhoben wurden die Beziehungen zwischen Mutter und Kind, die Kind-Mutter-Vater-Triade, Familienverhältnisse, Wohnverhältnisse der Kinder, das soziale Netzwerk zur Unterstützung der Mutter, und die Verbindungen zur Nachbarschaft. Dem gegenübergestellt wurde die kognitive Entwicklung der Kinder im Alter von 2 Jahren, gemessen mit den Bayley Scales of Infant Development (BSID).

Hauptergebnisse

  • Die Größe des die Mutter unterstützenden sozialen Netzwerkes korrelierte positiv mit der frühkindlichen Entwicklung; der mittlere Anstieg des BSID-Koeffizienz-Scores betrug 0,4 Punkte (95%-Konfidenzintervall 0,001 bis 0,80; P = 0,05)
  • Bei Bekanntschaft mit vielen Nachbarn stieg der BSID-Koeffizienz-Score um durchschnittlich 1,39 Punkte, jedoch war diese bei einem 95%-KI von -0,04 bis 2,83 nicht signifikant (P = 0,06)
  • Große Familien zeigten eine negative Assoziation mit der frühkindlichen Entwicklung: Der BSID-Koeffizienz-Score verringerte sich um 2,21 (95%-KI 0,40 bis 4,02); P = 0,01).

Klinische Bedeutung

Im Vergleich zu deutschen Durchschnittswerten hatte die hier untersuchte Kohorte einen hohen Anteil von unterprivilegierten Familien (40,9 % unter der offiziellen Armutsgrenze), die Mütter waren jünger (26,55 Jahre), und 42 % der Kinder wuchsen ohne Vater auf. Auch wenn eine Kausalität nicht nachweisbar ist, so ist die Studie doch im Einklang mit der plausiblen Annahme, dass ein funktionierendes soziales Netzwerk der Mutter und vielfältige Beziehungen jenseits der Mutter-Kind-Vater Triade die kognitive Entwicklung bei Kleinkindern positiv beeinflussen.

Finanzierung: Urban Child Institute.