Die gleiche Dosis für Alle? Bei ASS zur CV-Prävention stimmt das wohl nicht


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Niedrig dosierte Acetylsalicylsäure verhindert kardiovaskuläre Ereignisse nur bei Menschen mit weniger als 70 Kilogramm Gewicht. Wird der Wirkstoff hoch dosiert, profitieren davon nur Individuen von mindestens 70 kg.

Hintergrund

Acetylsalicylsäure (ASS) hat sich bei der Primärprävention kardiovaskulärer Ereignisse als wirksam erwiesen, wenn auch nur in bescheidenem Umfang. Ein Grund dafür könnte nach Meinung der Autoren sein, dass die Dosierung in der Regel nicht adäquat der Größe und dem Gewicht der Patienten angepasst wird, was einerseits zu Unterdosierungen und andererseits zu Nebenwirkungen führen könnte.

Design

Die Studie analysierte das Ausmaß der Prävention kardiovaskulärer Ereignisse durch ASS in Abhängigkeit vom Körpergewicht (in Schritten von 10-Kilogramm) und von der Körpergröße (in Schritten von 10 Zentimetern) anhand der individuellen Daten von 117.279 Teilnehmern aus 10 Studien. Das mediane Gewicht der Teilnehmer in diesen Studien reichte von 60,0 kg bis 81,2 kg.

Hauptergebnisse

  • Mit zunehmendem Gewicht verringerte sich die Fähigkeit von niedrig dosierter ASS (75 – 100 mg), kardiovaskuläre Ereignisse zu reduzieren. Für Menschen zwischen 50 und 69 kg war das Risiko um 25 % reduziert (Chancenverhältnis HR 0,75; 95%-Konfidenzintervall 0,65 – 0,85). Für Menschen ab 70 kg war das HR aber nur noch 0,95, das Risiko für einen Herz-Kreislauftod betrug 1,09. Die Sterblichkeit bei einem ersten CV-Ereignis unter niedrig dosierter ASS war für Personen ab 70 kg um 33 % erhöht (HR 1,33, 95%-KI 1,08 – 1,64; p=0,0082).
  • Umgekehrt war das Verhältnis bei hoch dosierter ASS (≥ 325 mg). Der Wirkstoff reduzierte die Zahl der Ereignisse nur bei schwereren Personen.
  • Diese Relationen fanden sich bei beiden Geschlechtern, auch bei Diabetikern, und auch bei Studien zur Sekundärprävention.
  • Die langfristige Reduktion des Darmkrebsrisikos unter ASS war ebenfalls gewichtsabhängig: Bei Menschen mit geringem Gewicht war das Risiko für einen plötzlichen Tod erhöht, und für diejenigen unter 50 kg mit niedrig dosierter ASS das Gesamt-Todesrisiko (HR 1,52; 95%-KI 1,04 – 2,21; p=0,031).

 

Klinische Bedeutung

Die Auswertung individueller Patientendaten bezüglich der präventiven Wirkung von ASS in Abhängigkeit vom Körpergewicht liefert wertvolle Einsichten für die Praxis: Niedrig dosierte ASS ist demnach zur Prävention vaskulärer Ereignisse nur bei Personen unter 70 kg wirksam, nicht aber bei den mehr als 80 % aller Männer und 50 % aller Frauen, die mindestens 70 kg wiegen. Umgekehrt war höher dosierte ASS nur bei Patienten von mindestens 70 kg wirksam. Statt einer Pille für Alle sei deshalb eine besser angepasste Strategie von Nöten, schreiben die Autoren.

Finanzierung: Wellcome Trust und National Institute for Health Research Oxford Biomedical Research Centre.