Die Gesundheit der deutschen Bevölkerung im europäischen Vergleich

  • Robert Koch-Institut

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Ergebnisse der aktuellen, zweiten Europäischen Gesundheitsbefragung (EHIS) veröffentlicht. Der Fokus der Europäischen Gesundheitsbefragung lag auf nicht-übertragbaren Krankheiten. Forschende des RKI haben nun die Gesundheitsdaten der deutschen Bevölkerung in den europäischen Kontext gesetzt. In Deutschland sind demnach nicht-übertragbare Krankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs, Diabetes mellitus und Atemwegserkrankungen die Haupttodesursachen, die zumeist durch vermeidbare Risikofaktoren wie Rauchen, mangelnde körperliche Bewegung, schädlichen Alkoholkonsum und ungesunde Ernährung hervorgerufen werden.

Die Forschenden gehen davon aus, dass europaweit vergleichbare Gesundheitsinformationen eine wichtige Grundlage für evidenzbasierte Maßnahmen sind, um Gesundheitsherausforderungen und Interventionsansätze zu identifizieren.

Hintergrund

Alle EU-Mitgliedstaaten erheben im Rahmen des EHIS regelmäßig Daten zum Gesundheitszustand, zur gesundheitlichen Versorgung, zu Gesundheitsdeterminanten und zur sozioökonomischen Lage ihrer Bevölkerungen. Befragt werden Personen im Alter von mindestens 15 Jahren, die in privaten Haushalten leben. Die zweite EHIS-Befragung (EHIS 2) wurde zwischen 2013 und 2015 durchgeführt.

In Deutschland ist EHIS Teil des Gesundheitsmonitorings am RKI und wurde in die Studie „Gesundheit in Deutschland aktuell“ (GEDA 2014/2015-EHIS) integriert. In Deutschland wurden fast 25.000 Personen online oder schriftlich befragt.

Für die Auswertungen im Journal of Health Monitoring haben die Forschenden des RKI vier Themengebiete analysiert:

[1] Partnerschaft, Elternschaft, Erwerbstätigkeit und selbsteingeschätzte Gesundheit in Deutschland und der EU

Bei Frauen und Männern zeigt sich auf Ebene der EU in allen familiären Lebensformen ein Unterschied nach dem Erwerbsstatus: Nichterwerbstätige berichten am häufigsten eine mittlere bis schlechte Gesundheit, gefolgt von Teilzeit- und Vollzeiterwerbstätigen. Bei Müttern mit Partnerin oder Partner fallen die Unterschiede nach Erwerbsstatus geringer aus als bei Frauen in anderen Lebensformen. In Deutschland finden sich bei Müttern dagegen keine Unterschiede in der Gesundheit nach Erwerbsstatus; dies gilt auch für Alleinerziehende.

[2] Bildungsunterschiede in der Prävalenz verhaltensbezogener Risikofaktoren in Deutschland und der EU

Bildungsunterschiede tragen in erheblichem Maße zu unterschiedlichen Gesundheitsverhalten bei. Für Deutschland und die meisten anderen EU-Mitgliedstaaten gilt: Verhaltensbezogene Risikofaktoren sind bei Personen aus unteren Bildungsgruppen stärker verbreitet als bei Personen aus höheren Bildungsgruppen. Insgesamt betrachtet liegt Deutschland dabei im Mittelfeld der EU-Länder.

[3] Einschränkungen in Aktivitäten des täglichen Lebens im Alter in Deutschland und der EU

Einschränkungen in basalen Aktivitäten (activities of daily living, ADL), wie der Nahrungsaufnahme, und instrumentellen Aktivitäten des täglichen Lebens (instrumental activities of daily living, iADL), wie dem Einkaufen oder dem Erledigen von Bankgeschäften, wurden bei Menschen ab 65 Jahren erfasst. In den EU-Mitgliedstaaten berichten durchschnittlich 8,4 % der Menschen eine ADL-Einschränkung und 25,2 % eine iADL-Einschränkung. Die Prävalenzen in Deutschland liegen unter dem EU-Durchschnitt (ADL-Einschränkung 6,3 %, iADL-Einschränkung 11,2 %). Frauen, älter Personen ab 75 Jahren sowie Personen der unteren Bildungsgruppen sind im Allgemeinen stärker betroffen.

[4] Depressive Symptomatik im europäischen Vergleich

Depressionen sind mit einer erheblichen individuellen und gesamtgesellschaftlichen Krankheitslast verbunden. Als Indikator für Depressionen wird eine depressive Symptomatik gemäß dem Patient Health Questionnaire (PHQ-8) herangezogen. In Deutschland ist die Prävalenz mit 9,2 % höher als im europäischen Durchschnitt (6,6 %). Bei Berücksichtigung des Schweregrads zeigt sich jedoch nur hinsichtlich der Prävalenz einer leichten depressiven Symptomatik ein Unterschied (6,3 % versus 4,1 %). Jüngere Menschen haben in Deutschland häufiger (11,5 % versus 5,2 %) und Ältere seltener eine depressive Symptomatik als der Durchschnitt der EU-Mitgliedstaaten (6,7 % versus 9,1 %).

Die Ergebnisse müssen im Kontext von Unterschieden in der Alters- und Sozialstruktur diskutiert werden und weisen auf Handlungsbedarfe hinsichtlich Präventions- und Versorgungsangeboten in Deutschland hin.

Finanzierung: Robert Koch-Institut.