Die frühen Fälle: Warum COVID-19 zur Pandemie werden konnte

  • Lancet Infectious Diseases

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Zwischen den behördlichen Meldungen eines neuartigen Erregers schwerer Pneumonien in China und der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dieser Erreger sei nun pandemisch, vergingen 11 Wochen (Ende Januar 2019 - 10. März 2020). In dieser prä-pandemischen Phase haben Reisen in einige wenige Länder mit damals erheblicher Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Virus die rasche und weltweite Verbreitung von SARS-CoV-2 bewirkt. Drei Viertel der Infektionen in dieser prä-pandemischen Phase ließen sich eindeutig auf solche Reisen zurückführen, davon die meisten nach Italien, China und Iran.

Hintergrund

  • Für das Verständnis neuer Epi- und Pandemien sind die Verbreitungswege der Krankheitserreger von zentraler Bedeutung, um die Surveillance weiter zu verbessern und daran Vorsichtsmaßnahmen auszurichten.
  • Ende Dezember 2019 hatten chinesische Behörden über ein Cluster schwerer Pneumonien in der Stadt Wuhan mit unbekannter Herkunft des Krankheitserregers berichtet.
  • Am 7. Januar 2020 hatten molekulargenetische Analysen das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 als Verursacher der Pneumonien in Wuhan belegt.
  • Ende Januar erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den SARS-CoV-2-Ausbruch zu einem Notfall mit internationaler Bedeutung, und
  • 6 Wochen später, am 10. März, zur Pandemie.
  • Was bis dahin epidemiologisch geschah, rekonstruiert eine große Querschnittsstudie.

Design

  • Querschnittsstudie in der Zeit vom 31.Dezember 2019 bis 10. März 2020 (prä-pandemische Phase von COVID-19),
  • Datenquellen: Schriftliche und mündliche Informationen nationaler und internationaler Behörden und Gesundheitsorganisationen wie der WHO,
  • Betroffene Länder: Bei Meldung eines labordiagnostisch gesicherten SARS-CoV-2-Falls galt ein Land als betroffen,
  • Die ersten 100 Fälle wurden als „frühe Fälle“ in dem jeweiligen Land charakterisiert.

Hauptergebnisse

  • 194 Länder waren in der prä-pandemischen Phase WHO-Mitglieder und von 5 weiteren Ländern wurden Daten an die WHO gemeldet (n = 199).
  • In der prä-pandemischen Phase meldeten 99 Länder 32.459 Fälle. Jeweils die ersten 100 Fälle eines Landes – mit Ausnahme von Festland-China - wurden als frühe Fälle bewertet, sofern genügend Daten vorlagen.
  • Drei Viertel dieser frühen Infektionen ließen sich eindeutig auf Reisen zurückführen in Länder mit bekannten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen des Virus.
  • Zwei Drittel der Infektionen außerhalb von Festland-China betrafen Reiserückkehrer aus Italien, China und dem Iran.
  • In 29 Ländern wurden prä-pandemisch 101 Cluster dokumentiert. Davon waren drei Viertel der Cluster private Haushalte mit durchschnittlich 2,6 Infizierten pro Haushalt und ein Viertel der Cluster entstanden nach Versammlungen im öffentlichen Raum, in Kirchen oder bei großen Dinnerparties. Diese Cluster hatten eine durchschnittliche Fallzahl von 14,2 Infizierten.
  • 3 % der Infizierten insgesamt waren noch nicht erwachsen (
  • 2 % der früh Infizierten arbeiteten im Gesundheitssystem.

Klinische Bedeutung
In der prä-pandemischen Phase von COVID-19 waren vergleichsweise wenige Länder an der Ausbreitung der Infektionen involviert, vor allem Italien, China und Iran. Die Analyse von Clustern ergibt eine deutlich höhere Infektionsrate, wenn sich die Cluster durch Zusammenkünfte im öffentlichen Raum gebildet haben, als wenn sie in Privathaushalten entstanden waren. Diese Ergebnisse bestätigten nach Meinung der Autoren noch einmal die Bedeutung von Social Distancing, um die Verbreitung des Virus zumindest zu verlangsamen.

Finanzierung: öffentliche Mittel.