Die frühzeitige Gabe von Statinen bei Typ 2-Diabetikern scheint Retinopathien zu verzögern


  • Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine große Kohortenstudie aus Taiwan zeigt, dass in dieser asiatischen Population Patienten mit Typ 2-Diabetes diejenigen seltener bzw. später eine diabetische Retinopathie entwickelten, die Statine zur Primärprävention eingenommen hatten.

Hintergrund

Weltweit leben etwa 425 Millionen erwachsene Diabetiker, und die diabetische Retinopathie (DR) als eine der wichtigsten Folgen der Erkrankung ist die häufigste Ursache einer Erblindung unter Erwachsenen im erwerbstätigen Alter. Zwar gibt es eine Vielzahl von therapeutischen Optionen, besser wäre es jedoch, bereits die Entstehung zu verhindern oder die Progression im Vorfeld zu verlangsamen. In der aktuellen Studie ist man nun Hinweisen nachgegangen, dass Statine möglicherweise bei der Primärprävention wirksam sein könnten.

Design

Populationsbasierte Kohortenstudie mit 37.894 taiwanesischen Patienten mit Typ 2-Diabetes und Dyslipidämie, die man anhand einer nationalen Versicherungsdatenbank aus ursprünglich mehr als 1,6 Millionen Personen mit der Methode des Propensity-Score-Matching selektiert und in zwei Gruppen geteilt hatte. Gegenübergestellt wurde der Gebrauch/Nichtgebrauch von Statinen mit der Entwicklung einer DR und dem Bedarf an Behandlungen dafür.

Hauptergebnisse

  • Das durchschnittliche Alter der beiden Gruppen lag bei etwa 61 Jahren, das Follow-Up bei 7,5 Jahren.
  • In der Statin-Gruppe entwickelten 2004 (10,6 %) Patienten eine DR, in der Kontrollgruppe waren es 2269 Patienten (12,0 %). Im Detail betrug das Chancenverhältnis HR zugunsten der Statin-Gruppe:
    • DR insgesamt: HR 0,86 (95%-Konfidenzintervall 0,81 – 0,91)
    • nicht-proliferative DR: HR 0,92 (95%-KI 0,86 – 0,99)
    • proliferative DR: HR 0,64 (95%-KI 0,58 – 0,70)
    • Glaskörperblutung: HR 0,62 (95%-KI 0,54 – 0,71)
    • Netzhautablösung: HR 0,61 (95%-KI 0,47 -0,79)
    • Makulaödem: HR 0,60 (95%-KI 0,46 – 0,79
  • Die Statin-Gruppe benötigte auch signifikant seltener Interventionen wie eine Netzhaut-Laserkoagulation, intravitreale Injektion oder eine Vitrektomie (HR 0,71; 0,74 bzw. 0,58) und die Zahl der Interventionen war ebenfalls niedriger.
  • Bestätigt wurde außerdem ein niedrigeres Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse, Neuropathien und diabetische Fußulcera in der Statingruppe (HR 0,81; 0,85 und 0,73).

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse bestätigen die Assoziation eines Statingebrauchs bei Typ 2-Diabetikern mit einer niedrigeren Prävalenz diabetischer Retinopathien und legen nahe, dass diese Substanzklasse als Primärprävention die Progression einer diabetischen Retinopathie verlangsamen kann. Die absolute Risikoreduktion war mit 1,4 Prozentpunkten allerdings weniger imposant, und ob das Ergebnis auch auf andere Populationen übertragbar ist, muss erst noch gezeigt werden.

Finanzierung: Chang Gung Memorial Hospital, Taoyuan, Taiwan.