Die Entwicklung von Asthma und Allergien folgt offenbar 5 verschiedenen Pfaden

  • Lancet Respiratory Medicine

  • von Michael Simm
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Eine Studie, bei der 3609 Teilnehmer in der australischen Provinz Tasmanien über lange Zeit wiederholt Auskunft zu Asthma, Allergien und anderen Krankheiten gaben, bildet die Grundlage für die Einteilung der Krankheit in 5 distinkte Trajektorien, die mit jeweils unterschiedlichen Komorbiditäten assoziiert sind.

Hintergrund

Die Entwicklung von Asthma und Allergien vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter verläuft uneinheitlich und folgt möglicherweise unterschiedlichen Trajektorien. Über Assoziationen mit Komorbiditäten jenseits der Lunge ist wenig bekannt. Derartige Informationen könnten aber sowohl für die Prognose als auch möglicherweise für die Therapie relevant sein.

Design

Prospektive Kohortenstudie mit 3609 Individuen zwischen 7 und 53 Jahren, deren Daten im Rahmen der Tasmanischen Langzeit-Gesundheitsstudie gesammelt wurden. Dies geschah zu vier Zeitpunkten: Beim1. und 4. Mal per Lungenfunktionsprüfung, und beim 2. und 3. Mal per Fragebogen. Bei der letzten Nachverfolgung waren die Teilnehmer durchschnittlich 53 Jahre alt; für diesen Zeitpunkt wurden auch die Assoziationen zwischen den identifizierten Asthma-Trajektorien, Morbiditätsprofilen und der Lungenfunktion mittels Regressionsmodellen geschätzt.

Ergebnisse

Die Forscher identifizierten 5 verschiedene Trajektorien:

  1. minimal und geringfügigstes Asthma und Allergien bei 49%,
  2. spät einsetzender Heuschnupfen ohne Asthma bei 29,5 %,
  3. früh beginnendes, remittierendes Asthma und Allergien bei 6,5 %
  4. spät beginnendes Asthma und Allergien bei 8,8 %, und
  5. früh beginnendes, persistierendes Asthma und Allergien bei 6,2 %

Extrapulmonale Morbiditäten entfielen auf 4 Klassen:

  • minimal / geringfügig bei 61,6 %
  • vorwiegend psychische Erkrankungen 23,9 %
  • vorwiegend kardiovaskuläre Erkrankungen 11,7 %, und
  • multiple Erkrankungen bei 3,2 %

Die auffälligsten Assoziationen zwischen Trajektorien und Morbiditäten waren:

  • Gruppe 4 hatte ein relatives Risiko für multiple Erkrankungen von 3,3 (95%-Konfidenzintervall 1,9 – 5,9),
  • alle anderen Gruppen waren mit vorwiegend psychischen Erkrankungen assoziiert,
  • Eine spirometrisch und klinisch definierte COPD war am stärksten mit Gruppe 5 assoziiert (Chancenverhältnis OR 5,3; 95%-KI 3,2 – 8,6), und etwas weniger stark mit Gruppe 4 (OR 3,8; 95%-KI 2,4 – 6,1).

Klinische Bedeutung

Die Autoren sind zuversichtlich, dass die von ihnen definierten distinkten longitudinalen Trajektorien bei Allergie- und Asthmapatienten unterschiedliche Profile extrapulmonaler Komorbiditäten und das variable Risiko für eine COPD zuverlässig abbilden. Deshalb könnten sie “Informationen liefern für ein personalisiertes Vorgehen bei den Leitlinien und dem auf behandelbare Merkmale fokussierten Krankheitsmanagement“. Ob die Komorbiditätsprofile überregional anwendbar sind und „ein neues Target für die Früherkennung und Intervention“ darstellen, wird sich zeigen.

Finanzierung: National Health and Medical Research Council of Australia, EU u.v.a.