Dicke Teenager haben ein erhöhtes Risiko, als Erwachsene an einer Kardiomyopathie zu erkranken

  • Robertson J & al.
  • Circulation
  • 28.05.2019

  • von Dr. Stefanie Reinberger
  • Studien – kurz & knapp
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Kernaussage

Selbst mildes Übergewicht im Teenageralter erhöht das Risiko für eine Kardiomyopathie. Zudem steigt das Risiko mit dem BMI der Teens. Bei einem BMI ≥35 besteht ein 8-faches Risiko gegenüber normalgewichtigen Jugendlichen. Zu diesem Schluss kommt eine prospektive Kohortenstudie aus Schweden.

Hintergrund

In der Vergangenheit wurde meist davon ausgegangen, dass einer Kardiomyopathie vor allem genetische Ursachen zugrunde liegen. Inwiefern andere Faktoren, insbesondere den Lifestyle betreffend, das Risiko für eine Kardiomyopathie erhöhen, wurde bislang kaum untersucht. Es gibt jedoch Hinweise, dass Übergewicht einen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko haben könnte. Die vorliegende Studie untersucht daher, wie sich das Gewicht im späten Teenageralter auf das Risiko auswirkt, später an einer Kardiomyopathie zu erkranken.

Studiendesign

Registerbasierte, prospektive Kohortenstudie, die insgesamt 1.668.893 männliche Probanden (Durchschnittsalter 18,3 Jahre) einschloss. Zu Beginn des Beobachtungszeitraums wurden Daten zum BMI, Blutdruck und Vorerkrankungen sowie zur körperlichen Fitness erhoben. Im Beobachtungszeitraum von 46 Jahren wurden Kardiomyopathien anhand von Krankenhaus- und Sterberegistern erfasst.

Hauptergebnisse

  • Während des Beobachtungszeitraums wurden 4477 Fälle einer Kardiomyopathie identifiziert. Darunter waren
    • 2631 Fälle (59%) von dilatativer Kardiomyopathie
    • 673 Fälle (15%) von hypertropher Kardiomyopathie
    • 480 Fälle (11%) von Alkohol- bzw. Drogen-induzierter Kardiomyopathie
  • Das Risiko an einer Kardiomyopathie zu erkranken war bereits bei moderatem Übergewicht (BMI 22,5 – ) erhöht und stieg mit zunehmendem BMI linear an.
  • Bei einem BMI ≥ 35 war das Risiko für eine dilatative Kardiomyopathie um das 8-fache erhöht.
  • Bei betroffenen Probanden mit einem höheren BMI trat die Kardiomyopathie früher auf.

Klinische Bedeutung

Global wird ein Anstieg des Körpergewichts bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen beobachtet. Die Studie zeigt, dass dies – neben anderen Gesundheitsrisiken – die Gefahr erhöht, an einer Kardiomyopathie zu erkranken. Dies unterstreicht die Bedeutung einer Gewichtskontrolle bei Jugendlichen für die Gesundheit im weiteren Leben.

Limitierungen

  • Der BMI als Maß für Übergewicht sagt nichts über die Zusammensetzung der Körpermasse aus. Ein leicht erhöhter BMI kann auch von vermehrter Muskelmasse herrühren. Diese hat jedoch keinen Einfluss auf das Kardiomyopathierisiko.
  • Die homogene Studienpopulation bestehend aus jungen Männern lässt keine Aussage für Frauen zu.

Finanzierung

Swedish Research Council, Swedish Heart and Lung Foundation, Swedish Council for Health, Working Life and Welfare.