Diagnose schwere Sepsis: Jeder zweite Patient stirbt innerhalb von 70 Tagen

  • Deutsches Ärzteblatt

  • von Dr. Nicola Siegmund-Schultze
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Die Daten von fast 2.000 Patienten mit schwerer Sepsis oder septischem Schock aus dem Jenaer Sepsis-Register belegen eine hohe Sterblichkeit: Nur die Hälfte der Patienten überlebt die ersten 70 Tage nach Diagnose und nur 26 % die auf die Diagnose folgenden 48 Monate. Die hausärztliche Dokumentation ist für Registerstudien wie diese eine wichtige Basis.

Hintergrund
Sepsis ist definiert als lebensbedrohliche Organdysfunktion durch eine fehlregulierte Wirtsantwort auf eine Infektion. Vor allem schwere Sepsisfälle inklusive dem septischen Schock nehmen in Deutschland zu. Im Jahr 2007 wurden 53.722 Fälle einer schweren Sepsis registriert, im Jahr 2015 waren es bundesweit bereits 136.542 Fälle (zit. n. [1]). Prospektive Registerstudien zur Erfassung von Patienten mit Sepsis bei aktiver Verfolgung des Langzeitüberlebens wurden in Deutschland bisher nicht durchgeführt. Aber auch international gibt es zum Langzeitverlauf vergleichsweise wenig Daten. Das Jenaer Sepsis-Register (JSR) hat nun Daten von fast 2.000 Patienten mit schwerer Sepsis veröffentlicht (1).

Design

  • Einschluss: alle Patienten mit diagnostizierter Sepsis auf den 4 Intensivstationen des Universitätsklinikums Jena in der Zeit von Januar 2011 bis Dezember 2015.
  • Patientencharakteristika: Alter 58-76 Jahre (Durchschnitt: 66,4 Jahre), 44,6 % hatten eine Pneumonie, 27,7 % gastrointestinale Symptome, bei 2,7 % wurden chirurgische Wundinfektionen festgestellt.
  • Infektionsquelle: zu 32,2 % ambulant und zu 67,9 % nosokomial erworben.
  • Analyseparameter: Langzeitüberleben 6–48 Monate nach Diagnosestellung, dokumentiert durch Abfragen bei den behandelnden Hausärzten.

Hauptergebnisse

  • Es wurden Daten von 1.975 Patienten mit Sepsis oder septischem Schock ausgewertet. Die mediane Beobachtungszeit betrug 730 Tage.
  • In 96,4 % der Hausarztabfragen waren Angaben zum Langzeitüberleben möglich.
  • Die Sterblichkeitsrate auf der Intensivstation lag bei 34 %, die Krankenhaussterblichkeit bei 45 %.
  • Die Gesamtsterblichkeit betrug 6 Monate nach Diagnosestellung 59 % und nach 48 Monaten 74 %.
  • Prädiktoren eines verringerten Langzeitüberlebens waren höheres Alter, nosokomialer Infektionsursprung, Diabetes, zerebrovaskuläre Erkrankungen, längere Liegedauer auf der Intensivstation, und Dialyse.

Klinische Bedeutung

Die Daten belegen nach Angaben der Autoren eine hohe Akut- und Langzeitsterblichkeit von Patienten mit schwerer Sepsis, das mediane Überleben betrug lediglich 70 Tage. Die Daten zeigten Optimierungsbedarf bei stationären und sektorübergreifenden Maßnahmen an, so das Autorenteam. Wegen der monozentrischen Erfassung seien die Daten allerdings nicht repräsentativ für Deutschland und wegen unterschiedlicher Patientenpopulationen und Fallidentifikationen auch nur begrenzt mit internationalen Studien vergleichbar, in denen die Langzeitsterblichkeit teilweise deutlich niedriger war als in dieser Registeranalyse.

Finanzierung: keine Angaben