Diabetologen-Gesellschaft macht sich erneut für moderne Antidiabetika stark


  • Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Für einen häufigeren Einsatz moderner Antidiabetika hat erneut die Deutsche Diabetes Gesellschaft plädiert. Mit neuen Wirkstoffen kann laut der Fachgesellschaft das hohe kardiovaskuläre Risiko von Typ-2-Diabetes-Patienten nachweislich gesenkt und auch das Leben verlängert werden. Einige Fragen seien allerdings noch zu beantworten, so etwa zum Nutzen bei Herzinsuffizienz, betonen andere Experten. 

Hintergrund

Seit rund zehn Jahren wird verstärkt über die kardiovaskuläre Sicherheit moderner Antidiabetika diskutiert. Zulassungsbehörden wie die FDA in den USA fordern inzwischen auch den Nachweis der Sicherheit neuer Wirkstoffe für Herz und Gefäße. In den vergangenen drei Jahren sind allerdings Studien-Daten publiziert worden, nach denen die geprüften neuen Substanzen nicht nur sicher sind, sondern Diabetes-Kranke sogar vor kardiovaskulären Komplikationen, etwa Herzinfarkten, schützen können. Wie alle neuen patentgeschützten Arzneimittel können jedoch die modernen Antidiabetika preislich nicht mit Generika mithalten. Außerdem gibt es unterschiedliche Ansichten über das Ausmaß des Zusatznutzens der neuen Antidiabetika, was sich bekanntlich auf die Preisgestaltung und auch die Verfügbarkeit der Präparate auswirkt. Da nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Diabetologie die Chancen, die die neuen Antidiabetika bieten, nicht ausreichend genutzt werden, weist die Fachgesellschaft immer wieder auf deren Potenzial hin, so auch bei ihrem letzten Kongress in Berlin.

Hauptaussagen

Moderne Antidiabetika werden in Deutschland noch zu selten eingesetzt. Rund 10-15 Prozent der Typ-2-Diabetiker könnten von ihnen profitieren, nur zwei Prozent erhielten sie allerdings. Moderne Diabetes-Mittel wie DPP4- und SGLT2-Hemmer sowie GLP-1-Agonisten sind effektiv und sicher; vor allem schwere Hypoglykämien, die das Gehirn schädigen und lebensbedrohliche Arrhythmien auslösen können, sind vergleichsweise selten; eine kontraproduktive Gewichtszunahme kann ebenfalls vermieden werden. 

Studien haben inzwischen außerdem belegt, dass das stark erhöhte kardiovaskuläre Risiko der Typ-2-Diabetes-Patienten deutlich gesenkt werden kann. Solche positiven Daten liegen zum Beispiel für die beiden Gliflozine Empagliflozin (EMPA-Reg-Outcome) und Canagliflozin (CANVAS) vor, außerdem für Liraglutid (LEADER) und Semaglutid (SUSTAIN 6). Verstärkt im Fokus ist bei Diabetes-Patienten die Herzinsuffizienz. Ein Grund hierfür sind Hinweise aus einer Gliptin-Studie auf ein möglicherweise erhöhtes Herzinsuffizienz-Risiko. Ein weiterer Grund ist, dass diese kardiale Komplikation bei Typ-2-Diabetikern mittlerweile eine höhere Inzidenz hat als Myokardinfarkte und Schlaaganfälle. Zudem gibt es Hinweise, wonach der Typ-2-Diabetes direkt das Myokard schädigen kann, also nicht allein indirekt über eine KHK. 

Klinische Bedeutung

Die Bedeutung wirksamer Therapien zur Reduktion des kardiovaskulären Risikos bei Typ-2-Diabetikern ist unbestritten groß. Konsens gibt es im Großen und Ganzen auch darüber, dass es für manche neuen Antidiabetika gute Belege dafür gibt, dass sie vor kardiovaskulären Komplikationen schützen können. Noch mager sei allerdings die Datenlage zur Wirkung gegen die Herzinsuffizienz, insbesondere bei Diabetikern mit bereits manifester Pumpschwäche, betonen die US-Kardiologen Dr. Michael Nassif und Dr. Mikhail Kosiborod (Saint Luke’s Mid America Heart Institute, Kansas City) in einem aktuellen Übersichtsbeitrag.