Diabetes-Remissionsraten nach Magenbypass höher als nach Schlauchmagen

  • The Lancet Diabetes&Endocrinology

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaften

Bei adipösen Diabetes-Patienten hat sich der Magenbypass dem Schlauchmagen hinsichtlich der Diabetes-Remissionsrate nach einem Jahr als überlegen erwiesen. Die β-Zellfunktion haben beide bariatrischen Verfahren gleich gut verbessert. Was noch fehlt, sind postoperative Langzeit-Daten, auch zu den mikrovaskulären und makrovaskulären Komplikationen der Stoffwechselerkrankung. 

Hintergrund

Ein substanzieller und dauerhafter Gewichtsverlust kann bei übergewichtigen oder adipösen Typ-2-Diabetikern zu einer Remission der Stoffwechselerkrankung führen, was enorme gesundheitliche Vorteile mit sich bringt. Da es mehrere unterschiedliche operative Verfahren zur Gewichtsreduktion gibt, stellt sich die Frage, welches Verfahren bei Diabetes-Patienten bevorzugt bzw. zuerst angewendet werden sollte. In der vorliegenden Untersuchung wurden Magenbypass und Schlauchmagen miteinander verglichen. 

Design

Randomisierte und kontrollierte Studie mit 109 Diabetes-Patienten, von denen 54 einen Magenbypass und 55 einen Schlauchmagen erhielten. Der HbA1c-Wert betrug im Mittel 7,9 Prozent, die Diabetes-Dauer 6,4 Jahre, der BMI 42,3 kg/m2 . Pro Gruppe schied ein Patient vorzeitig aus. Primärer klinischer Endpunkt war der Anteil der Teilnehmer mit vollständiger Remission von Typ-2-Diabetes (HbA 1c von ≤ 6,0% ohne Antidiabetika) 1 Jahr nach der Operation. Primärer physiologischer Endpunkt war die ß-Zellfunktion, beurteilt mit dem sogenannten „Disposition Index“.

Hauptergebnisse

  • Der Magenbypass war ein Jahr nach der Operation mit einer höheren Remissionsrate assoziiert als der Schlauchmagen (74% versus 47%). Die Risikodifferenz betrug demnach 27 Prozentpunkte (95% CI 10 bis 44), das relative Risiko 1,57 (1,14 bis 2,16; p = 0,0054).
  • Beide Gruppen zeigten eine ähnlich verbesserte β-Zellfunktion. 
  • In der Magenbypass-Gruppe hatten zehn von 54 Teilnehmern frühe Komplikationen und 17 von 53 späte Nebenwirkungen. In der Gruppe mit Schlauchmagen hatten acht von 55 Teilnehmern frühe Komplikationen und 22 von 54 späte Nebenwirkungen. In keiner Gruppe gab es Todesfälle.

Klinische Bedeutung

Die Ergebnisse sprechen dafür, bei adipösen Diabetes-Kranken den Magenbypass als bariatrischen Eingriff zu präferieren. Insgesamt bleiben aber noch einige Fragen zu klären. Eine zentrale Frage für die Indikationsstellung zur Operation ist die, ob und wie lange der Effekt auf die Diabetes-Remission anhält. Eine frühere Studie hatte nach einem Jahr Remissionsraten von 42 Prozent (Magenbypass) und 37 Prozent (Schlauchmagen) ergeben. Nach fünf Jahren betrugen die Remissionsraten nur noch 29 und 23 Prozent. Wünschenswert sind zudem mehr Belege dafür, dass die bariatrischen Eingriffe auch tatsächlich mikro- und makrovaskuläre Komplikationen der Stoffwechselkrankheit verhindern. Dazu müssten allerdings Langzeit-Studien mit Patienten-Gruppen ohne operative Therapie durchgeführt werden, was aus ethischen Gründen schwierig sein kann.

Finanzierung: Adipositas-Zentrum Vestfold Hospital Trust