Diabetes: Pharmaexperten sehen vier Herausforderungen für die Forschung

  • Global Data

  • von Karl-Heinz Patzer
  • Medizinische Nachrichten
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Anlässlich des Welt-Diabetes-Tags hat sich der Pharmaanalyst Global Data mit den drängendsten Herausforderungen für die Diabetesforschung beschäftigt und dazu die wichtigsten Key Opinion Leader (KOLs) aus der Branche befragt. Nach Einschätzung der Meinungsbildner gibt es vier große Herausforderungen zu bewältigen, die weitgehend sowohl für Typ-1-Diabetes (T1D) als auch für Typ-2-Diabetes (T2D) bestehen.

1. Herausforderung: Komorbitäten

Nach Ansicht der befragten KOLs besteht laut Global Data Pharmaanalyst Dr. Jesus Cuaron ein hoher Bedarf für zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten, die angesichts der Komorbiditäten vorteilhafte Effekte über eine Blutzuckerkontrolle hinaus haben. Mit DPP-4-Hemmern, GLP-1-Analoga und SGLT-2-Inhibitoren sind auf diesem Gebiet zwar schon Fortschritte gemacht worden, da sie zum Teil auch bei der Gewichtsreduktion helfen und das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse reduzieren. Angesichts der hohen Morbiditäts- und Mortalitätslast mit rund 175.000 Diabetes-assoziierten Todesfällen pro Jahr allein in Deutschland ist die Pharmaforschung hier nach Meinung der Experten noch durchaus höchst gefordert.

2. Herausforderung: Hypoglykämien

Ein weiteres Problem ist das Risiko für Unterzuckerungen unter einer Insulin-Therapie. Auch hier gebe es dank neuerer Formulierungen zwar Fortschritte, dennoch blieben Hypoglykämien eines der größten Sicherheitsbedenken.

3. Herausforderung: Adhärenz / Compliance

Auch die mangelnde Adhärenz bei den zu injizierenden Diabetes-Medikamenten ist nach Ansicht der KOLs ein Problem. Bislang waren die meisten Versuche, Insulin anwendungsfreundlicher zu formulieren, erfolglos. Die Insulinabgabe via Pflaster ist noch in der Anfangsphase der Entwicklung, eine inhalative Insulin-Form musste wegen mangelnder Akzeptanz vom Markt genommen werden.

4. Herausforderung: Ursachenforschung

Die genauen Ursachen für beide Diabetesformen sind bisher nicht vollständig geklärt. Bekannte Faktoren sind bisher die Erbanlage, Übergewicht und Bewegungsmangel, Unempfindlichkeit gegenüber Insulin, eine gestörte Insulinausschüttung und eine gestörte Produktion bestimmter Darmhormone. Das größte Problem für die Pharmaforschung liegt in der ursächlichen Behebung der Stoffwechselerkrankung. Bei Typ-1-Diabetes muss der entzündliche Prozess, bei dem die β2-Zellen zerstört werden, aufgehalten werden. Bei Typ-2-Diabetes muss die sich entwickelnde Insulin-Resistenz überwunden werden.

Ausblick

Die Diabetes-Behandlung ist in den vergangenen zehn Jahren mit der Entwicklung von Inkretin-Mimetika, Gliptinen, Gliflozinen und ihren mittlerweile zahlreichen Vertretern sowie neuen Insulin-Formulierungen deutlich differenzierter geworden. Damit sind jedoch bei Weitem noch nicht alle Probleme gelöst, und die Pharmaforschung steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Pharmaanalyst Cuaron: Ob Diabetes jemals heilbar sein wird, bleibt ohnehin fraglich.