Diabetes: Metformin nicht während der Schwangerschaft absetzen?


  • Susanne Kressenstein
  • Studien – kurz & knapp
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Kernbotschaft: Schwangere Diabetikerinnen bringen gehäuft ihre Kinder mit Fehlbildungen, zu früh oder tot zur Welt. Laut den Autoren der hier vorgestellten Studie liegt dies aber nicht an dem zeitweise von den Frauen eingenommenen Metformin, sondern an ihrer Stoffwechselstörung.

Hauptergebnisse: Metformin ist in der Regel das erste Medikament, das nach der Diagnose Typ-2-Diabetes verschrieben wird. Indem der Wirkstoff die Produktion von Glukose in der Leber verringert und dessen Aufnahme in Fett- und Muskelzellen fördert, senkt es den Blutzucker. Metformin wird aber auch zur Ovulationsunterstützung beispielsweise bei Frauen mit polyzystischem Ovar-Syndrom eingesetzt.

Rund 5 Prozent der Frauen, die Metformin einnahmen oder eingenommen hatten, brachten laut einer prospektiven Studie Kinder mit größeren Geburtsdefekten zur Welt. Das Risiko ist damit gegenüber anderen Frauen um 70 Prozent erhöht, bei denen der Anteil bei lediglich 2 Prozent liegt. 21 Prozent der Schwangerschaften endeten mit einer Früh- oder Fehlgeburt. Hier zeigt sich im Vergleich zu den Schwangeren einer Referenzgruppe mit 11 Prozent ein Unterschied von knapp 60 Prozent.

Sieht man die Daten genauer an, fällt auf, dass die Risikosteigerung für Geburtsdefekte und Fehlgeburten bei den Frauen der Metformingruppe nicht auf das Medikament, sondern hauptsächlich auf ihren Diabetes zurückzuführen war. 8 Prozent der Diabetikerinnen gebaren ein Kind mit Geburtsdefekten im Vergleich zu 2 Prozent der Frauen derselben Gruppe ohne Diabetes, die Metformin aus anderen Gründen eingenommen hatten (deren Rate an Geburtsdefekten damit genauso hoch ist wie bei Frauen der Referenzgruppe).

Was die Verteilung von Fehl- und Totgeburten betrifft, ergibt sich folgendes Bild: 24 Prozent der Frauen mit Diabetes, 17 Prozent der Frauen, die Metformin aus anderen Gründen einnahmen, und 11 Prozent der Frauen der Referenzgruppe erlitten eine Fehl- oder Totgeburt. Die Differenz von 6 Prozentpunkten zwischen den Frauen, die „Metformin aus sonstigen Gründen“ einnahmen, und denen der Referenzgruppe erklären die Autoren der Studie mit der Tatsache, dass in der „Metformin aus sonstigen Gründen“-Gruppe viele Frauen an einem polyzystischen Ovar-Syndrom litten, was nachweislich mit einer erhöhten Rate an Fehlgeburten assoziiert ist.

Design: Im Rahmen dieser multizentrischen prospektiven Kohortenstudie wurden die Daten von 471 Frauen ausgewertet, die während der Schwangerschaft Metformin eingenommen hatten. 63 Prozent der Frauen waren schon vor der Konzeption an Diabetes erkrankt und bei zwölf Prozent war ein polyzystischen Ovar-Syndrom die Indikation für das Medikament. Die restlichen Frauen erhielten Metformin aufgrund von Adipositas, Hyperglykämie, Glukose-Intoleranz oder zum Auslösen einer Ovulation. Beinahe alle Frauen hatten bereits vor der Schwangerschaft mit der Einnahme begonnen, 73 Prozent von ihnen brachen diese jedoch während des ersten Schwangerschaftstrimesters ab.

Als Kontrollgruppe dienten 479 Schwangere, die nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und die nie Metformin eingenommen hatten. Diese Frauen wiesen im Gegensatz zu den Frauen der Metformin-Gruppe deutlich weniger Gesundheitsprobleme auf. Lediglich vier Prozent (versus 23 Prozent) wiesen einen BMI über 30 auf, zwei Prozent (versus 13 Prozent) litten unter Hypertonie, 16 Prozent (versus 22 Prozent) hatten bereits eine Fehlgeburt hinter sich und 44 Prozent (versus 77 Prozent) nahmen mehr als ein Medikament ein.

Klinische Bedeutung: Die Autoren fordern auf, Metformin bei Schwangeren nicht im Laufe des ersten Trimesters abzusetzen. Sie gehen davon aus, dass der Wirkstoff weder teratogen ist noch die Rate an Spontanaborten erhöht. Eine Bestätigung ihrer Daten erhoffen sie sich von künftigen Studien, bei denen bei Schwangeren mit Diabetes die Einnahme von Metformin mit der von Insulin verglichen wird.