Diabetes mellitus: neue Empfehlungen zur Prävention und Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen

  • European Heart Journal

  • von Dr. med. Thomas Kron
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaften

Für Patienten mit Diabetes mellitus oder Prädiabetes gibt es überarbeitete europäische Empfehlungen zur Prävention und Therapie kardiovaskulärer Erkrankungen. Die neue Leitlinie, eine Aktualisierung der Leitlinie von 2013, ist von der European Society of Cardiology (ESC) und der European Association for the Study of Diabetes (EASD) erstellt und beim ESC-Kongress in Paris vorgestellt worden. Zugleich ist sie im „European Heart Journal“ publiziert worden. 

Was neu ist (eine Auswahl)

Es wird nicht mehr zwischen Primär- und Sekundärprävention unterschieden. Patienten mit Diabetes werden stattdessen in folgende kardiovaskuläre Risiko-Gruppen eingeteilt:

  • Mittleres kardiovaskuläres Risiko: junge Diabetes-Patienten, die keine anderen kardiovaskulären Risikofaktoren haben und seit weniger als zehn Jahren an der Stoffwechselerkrankung leiden.
  • Hohes kardiovaskuläres Risiko: Patienten mit einer mehr als zehn Jahre zurückliegenden Diabetes-Diagnose, wenigstens einem kardiovaskulären Risikofaktor, aber noch keinem Endorganschaden.
  • Sehr hohes kardiovaskuläres Risiko: Patienten mit kardiovaskulärer Erkrankung oder Endorganschaden oder Diabetes-Typ-1-Diagnose vor mehr als 20 Jahren.

Die neuen Antidiabetika (SGLT-2-Hemmer, GLP-1-Rezeptoragonisten, Gliptine) sind aktuellen Studienergebnissen zufolge bei Typ-2-Diabetes-Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen oder hohem/sehr hohem kardiovaskulärem Risiko indiziert, außerdem bei Patienten mit Endorganschäden oder mehreren kardiovaskulären Risikofaktoren, und zwar unabhängig davon, ob sie bereits mit Metformin behandelt werden oder noch therapienaiv sind. Bei diesen Patienten, die entweder bereits kardiovaskulär erkrankt sind oder stark gefährdet, sollten also die neuen Wirkstoffe sofort verordnet werden, entweder ohne Metformin oder zusätzlich. 

Um bei diabetischer Nephropathie die Progression zu bremsen, werden SGLT-2-Hemmer empfohlen.

ASS wird für Diabetes-Kranke mit moderatem kardiovaskulärem Risiko nicht mehr empfohlen. Bei Patienten mit hohem oder sehr hohem Risiko sollte die Indikation auf der Basis der individuellen Situation gestellt werden.

Diabetes-Patienten mit sehr hohem kardiovaskulärem Risiko, die trotz maximaler lipidsenkender Therapie mit einem Statin und Ezetimib weiterhin zu hohe LDL-C-Werte haben, sollten einen PCSK-9-Hemmer erhalten.

Als Zielwerte für den Blutdruck werden nun empfohlen:

  • Systolischer Blutdruck-Wert 130 mmHg, bei guter Verträglichkeit auch weniger als 130 mmHg, aber nicht unter 120 mmHg 
  • Bei über 65-Jährigen: 130 bis 130 mmHg systolisch 
  • Diastolischer Blutdruck-Wert unter 80, aber nicht unter 70 mmHg