Diabetes: Arme Patienten haben einen höheren HbA1c


  • Susanne Kressenstein
  • Medizinische Nachrichten
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Patienten mit Diabetes, denen wenig Geld zur Verfügung steht, haben im Durchschnitt einen höheren HbA1c-Wert als andere Diabetiker. Dies ist das Ergebnis einer prospektiven Kohortenstudie, an der 391 Patienten mit Diabetes teilnahmen.

Wissenschaftler von der Harvard Medical School in Boston untersuchten über drei Jahre hinweg zum einen, wie sich die finanzielle Situation und zum anderen, wie sich die Entfernung zwischen Wohnort und Lebensmittelgeschäft auf den HbA1c-Wert von Patienten mit Diabetes auswirkt. 20 Prozent der Teilnehmer gaben an, in einer schwierigen finanziellen Situation zu leben und sich deswegen nicht jederzeit mit ausreichend Lebensmitteln versorgen zu können. Jeder Dritte wohnte weiter weg von den nächsten Einkaufsmöglichkeiten. „Weiter weg“ wurde in der Stadt als mindestens 1,6 km von der nächsten Einkaufsgelegenheit definiert, auf dem Land als mindestens 16 km.

Wer beim Einkaufen jeden Cent zweimal umdrehen muss, hatte im Schnitt einen HbA1c-Wert von 7,6 Prozent. Dieser Wert war damit um rund 0,6 Prozentpunkte höher, als bei den Patienten, die in einer besseren finanziellen Situation lebten. Dieser Unterschied ist hochsignifikant.

Wer weiter weg von gesunden Lebensmitteln wohnt, wies auch einen – allerdings nur um 0,2 Prozentpunkte – höheren HbA1C auf als Menschen, die den nächsten Laden in der Nähe haben. Die Verfügbarkeit von Lebensmitteln vor der Haustür ist es also nicht, die für bessere Blutzuckerwerte sorgt, sondern ein gefülltes Portemonnaie.

Diese Ergebnisse sind sicher nicht ohne Weiteres auf deutsche Verhältnisse zu übertragen. Es liegt aber nahe, dass Geldknappheit auch bei uns dazu führt, dass Ärmere viele günstigere und damit weniger gesunde Lebensmittel einkaufen. Nudeln und Brot kosten weniger und sättigen besser als Obst und Gemüse.

Hartz-IV sieht pro Tag zwischen vier und fünf Euro für die Ernährung vor, für Kinder unter drei Euro. In vielen Regionen Deutschlands vermutlich viel zu wenig für eine gesunde ausgewogene Ernährung, wie sie gerade Menschen mit Diabetes empfohlen wird. Vermutlich stellt aber auch das Leben in Arbeitslosigkeit am Rande der Gesellschaft einen so hohen Stressfaktor dar, dass der Blutzucker eher entgleist als bei Patienten in gesicherten Verhältnissen.