DGKJ fordert Impfpflicht für Masern


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Nach dem Masernausbruch an einer Hildesheimer Schule und einer Zunahme von Krankheitsfällen in ganz Deutschland hat die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) eine Impfpflicht gefordert. Masernerkrankungen seien extrem ansteckend und potenziell tödlich, betonte die Medizingesellschaft jüngst in einer Pressemitteilung.

Hintergrund

Außer zu der akuten Erkrankung kann es bei einer Infektion mit Masernviren zur gefürchteten  subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE) kommen. Die SSPE ist eine teilweise erst nach Jahren auftretende entzündliche Erkrankung des Gehirns, die immer letal verläuft. Mit einer Häufigkeit von einem auf 3.300 Kinder im Alter unter 5 Jahren nach der Maserninfektion ist SSPE nicht selten. Besonders gefährdet sind Kinder im ersten Lebensjahr, die noch zu jung für eine Masern-Mumps-Röteln-(MMR)-Impfung sind.

Ergebnisse

Als Konsequenz auf den Masernausbruch an der Oskar-Schindler-Gesamtschule in Hildesheim durften nur noch Kinder die Schule besuchen, die ihre Immunität gegen Masern nachweisen konnten. So wurden vergangenen Dienstag 107 Schüler wegen fehlenden Impfschutzes bis Ende kommender Woche vom Unterricht ausgeschlossen.

Doch nicht nur im Landkreis Niedersachsen, auch bundesweit mehren sich derzeit die Masernfälle: In den ersten sieben Wochen des Jahres wurden dem Robert-Koch-Institut (RKI) zufolge bereits 132 Fälle registriert im Vergleich zu 46 Fällen im Vorjahreszeitraum. Im Jahr 2018 hat das RKI insgesamt 543 Masernfälle registriert.

Klinische Bedeutung

„Es ist mir nicht verständlich, warum trotz dieser Datenlage Eltern ihre Kinder nicht impfen lassen“, kritisiert Privatdozent Burkhard Rodeck, Generalsekretär der DGKJ. Der Pädiater weist auf eine aktuelle Studie aus Dänemark hin, die erneut den in Publikumsmedien oft geäußerten Verdacht der Entstehung von Autismus nach einer Masernimpfung entkräftet.

Die Auswertung der Daten von fast 660 000 Kindern ergab in Übereinstimmung mit früheren Studien keine erhöhte Autismus-Rate bei Kindern, die gegen MMR geimpft wurden. Dies gilt auch für Kinder, die ein erhöhtes Risiko haben, an Autismus zu erkranken - etwa an Autismus erkrankte Geschwister oder Komplikationen währen der mütterlichen Schwangerschaft, so die Ergebnisse der in Annals of Internal Medicine publizierten Studie.