DGHO 2022 – Neurologische Nebenwirkungen von Checkpoint-Inhibitoren unter der Lupe

  • Michael Simm
  • Konferenzberichte
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Kernbotschaften

Die Rate neurologischer Nebenwirkungen war in einer Studie der Medizinischen Hochschule Hannover mit 232 Krebspatienten nach Verabreichung der gebräuchlichen Checkpoint-Inhibitoren Nivolumab, Ipilimumab und Pembrolizumab mit 39 % höher als in früheren Untersuchungen. Prädiktiv, und daher womöglich als Biomarker geeignet, waren die Proteine MCP-1 und BDNF.

Hintergrund

Durch die Entwicklung von Checkpoint-Inhibitoren (CPI) hat sich Therapie bei mehreren onkologischen Entitäten in den vergangenen Jahren verbessert, jedoch kann auch diese Wirkstoff-Klasse zu schweren Nebenwirkungen führen. Insbesondere neurologische Nebenwirkungen (nAE) würden jedoch selten berichtet, obwohl sie zu permanenten Schäden und sogar zum Tod führen könnten, so ein Team um PD Dr. Phillipp Ivanyi von der Medizinischen Hochschule Hannover. Er hat auf der Jahrestagung der DGHO die Daten einer prospektiven multizentrischen Studie mit 232 Patienten vorgestellt, für die eine detaillierte Vorgeschichte und eine eingehende neurologische Untersuchung vorlag, und die bis zu 6 Monaten nach Beginn der Therapie regelmäßig untersucht wurden.

Ergebnisse

  • Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer (n = 139) litt an malignen Melanomen. Verabreicht wurden vorwiegend Nivolumab, Ipilimumab und Pembrolizumab.
  • 39 % der Patienten (n = 91) entwickelten während der Therapie neurologische Nebenwirkungen. Sie waren zumeist mild bis moderat (54-mal CTCAE-Grad 1, 25-mal Grad 2), in 12 Fällen (13 %) allerdings auch schwerwiegender, nämlich Grad 3 oder 4.
  • Zwei Proteine wurden als potenzielle Serum-Biomarker für nAE unter CPI identifiziert: Das Monocyte chemoattractant protein 1 (MCP-1), einer der Hauptregulatoren für die Migration und Infiltration von Monozyten, sowie der Wachstumsfaktor BDNF (Brain-derived neurotrophic factor). Insbesondere waren die prä-therapeutischen Serumspiegel für beide Eiweiße signifikant höher bei Patienten, die stärkere nAE entwickelten.