DGHO 2020 – Genmutationen werden beim nicht-squamösen NSCLC in Deutschland offenbar zu selten abgeklärt


  • Michael Simm
  • Konferenzberichte Onkologie
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Kernbotschaften

Die spezifischen Mutationen, die Angriffspunkt für mehrere neue Arzneien gegen das nicht-squamöse, nicht-kleinzellige Lungenkarzinom sind, werden offenbar in Deutschland seltener getestet als in der Schweiz.

Hintergrund

Zweifellos werden weltweit immer mehr Patienten mit Lungenkrebs auf Mutationen hin untersucht, die mittels spezifischer Medikamente gezielt adressiert werden können. Über die Details dieser „Testlandschaft“ ist bisher allerdings nur wenig bekannt.

Ergebnisse / Empfehlungen

  • Als Benchmarks für die molekulare Testung von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) gelten die Richtlinien des National Comprehensive Cancer Network der USA, da sie ständig gemäß dem Zulassungsstatus neuer Medikamente aktualisiert werden.
  • Angepasst an die Zulassungssituation in Europa empfiehlt die ESMO bei allen fortgeschrittenen oder metastasierten, nicht-squamösen NSCLC Tests auf EGFR, BRAF, ALK, ROS1 und NTKR.
  • Eine Umfrage der International Association for the Study of Lung Cancer (IASLC) ergab unter den 234 antwortenden europäischen Spezialisten folgende Testraten: EGFR 99 %, ALK 97 %, ROS1 82%, BRAF 54 % und KRAS 50 %. Zwar schätzten 79 % dieser Spezialisten, dass an ihrem Zentrum mehr als Hälfte der Patienten getestet würden. Bezüglich der jeweiligen Heimatländer schätzten die Spezialisten diesen Anteil jedoch auf nur 21 %.
  • Für Deutschland, Österreich und die Schweiz sind die genauen Testraten unbekannt. Eine erste Auswertung des deutschen prospektiven Registers CRISP (Clinical Research platform Into molecular testing, treatment and outcome of non-Small cell lung carcinoma Patients) für das vierte Quartal 2018 ergab in Deutschland 53 – 75 %, was von den Autoren als „desaströs“ gewertet wurde. Hochrechnungen für die Schweiz zeigen dagegen, dass man dort von einer hohen Testrate (> 90 %) ausgehen kann, so Lukas Bubendorf vom Universitätspital Basel. „Ich glaube, dass alle Patienten ein Anrecht darauf haben, genau so abgeklärt zu werden, wie wir unsere eigenen Bekannten, Freunde und Verwandte abklären würden.“

Finanzierung: LBs Forschungen werden mitfinanziert von Roche, Novartis, MSD, Sanofi und Thermo Fischer