DGHO 2019 – Lungenkrebsscreening für Deutschland?


  • Michael Simm
  • Konferenzberichte Onkologie
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaften

Die Zahl der Lungenkrebs-Neuerkrankungen in Deutschland wird auf jährlich etwa 55.000 geschätzt. In den USA ist es gelungen, die Mortalität in der Hochrisikogruppe der (Ex-)Raucher um annähernd 20 % zu senken, sodass es vermutlich auch hierzulande in den nächsten 1 – 2 Jahren eine entsprechende Empfehlung geben wird, berichtet Professor Rudolf Kaaks, Leiter der Abteilung Epidemiologie von Krebserkrankungen des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ).

Hintergrund

Vor nunmehr 8 Jahren wurde in den USA mit der Veröffentlichung einer 700 Millionen Dollar teuren Studie (National Lung Cancer Screening Trial, NLST) die wissenschaftliche Grundlage gelegt, um Menschen mit einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs mit niedrig dosierter Computertomographie auf Anzeichen für die Krankheit hin zu untersuchen. In Europa und auch Deutschland wird solch ein Screening zwar ebenfalls schon seit Jahren diskutiert; und es wurden mehrere Studien und Hochrechnungen durchgeführt. Eine Entscheidung wurde aber noch nicht getroffen.

Ergebnisse

  • In Europa laufen 6 Studien zum Lungenkrebsscreening mit insgesamt mehr als 33.000 Teilnehmern, davon etwa die Hälfte in der belgisch-niederländischen NELSON-Studie. Eingeschlossen wurden dort gegenwärtige oder ehemalige RaucherInnen (rauchfrei seit maximal 10 Jahren) im Alter zwischen 55 und 75 Jahren, die mindestens 15 Zigaretten/Tag über mindestens 25 Jahre oder 10 Zigaretten über 30 Jahre geraucht hatten. Sie wurden 3 Mal im Abstand von einem, zwei oder 2,5 Jahren untersucht.
  • Nach 10 Jahren Nachverfolgung war in der NELSON-Studie die Lungenkrebsmortalität bei den Männern gegenüber dem Kontrollarm signifikant reduziert (HR 0,74; 95%-Konfidenzintervall 0,59 – 0,91). Noch deutlicher war die Mortalität bei den Frauen gesunken: HR 0,39 bis 0,61 bei verschieden langer Nachverfolgung. 9,3 % der Teilnehmer benötigten eine zusätzliche Untersuchung zur Abschätzung der Volumen-Verdoppelungszeit gefundener Läsionen; 2,3 % erhielten in der Klinik weitere diagnostische Maßnahmen zur Abklärung.
  • Meta-Analysen der europäischen Studien zeigen eine Risikoreduktion von 23 % (RR 0,77; 95%-KI 0,65 – 0,90), die bei Frauen generell stärker ausgeprägt ist. Bei der deutschen LUSI-Studie war die Mortalitätsreduktion für Männer nicht signifikant. Ein Grund könnte – wie auch bei den anderen Studien - die zwischen den Geschlechtern sehr unterschiedliche Histologie sein. So hatten in der LUSI-Studie nur 58 % der Männer, aber 90 % der Frauen ein Adenokarzinom, während ein SCLC bei 12 % der Männer vs 0 % der Frauen diagnostiziert wurde.
  • Eine Simulation für Deutschland zur Kosteneffizienz von 76 möglichen Screening-Scenarios ermittelte Werte von etwa € 17.000 -  € 21.000 pro gewonnenem Lebensjahr und nochmals etwa den gleichen Betrag je vermiedenem Lungenkrebstod. Über 5 Jahre hinweg ließe sich in der gescreenten Population eine Reduktion der Lungenkarzinommortalität von ca. 10 % erreichen.
  • Die „Hauptprüfung“ auf Nutzen und Risiken findet gegenwärtig beim Bundesamt für Strahlenschutz statt, entschieden wird letztlich vom Bundesumweltamt. Parallel dazu evaluieren das IQWIG und schließlich der G-BA.