DGHO 2018 - Melanom: Viele Langzeitüberlebende brauchen nach Immuntherapie keine weitere Behandlung


  • Michael Simm
  • Konferenzberichte Onkologie
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Kernbotschaften

Die Charakteristika des Melanoms machen diese Krebsart besonders geeignet für den Einsatz neuer Immuntherapien, argumentierte Prof. Dr. med. Christoph Höller vom Hautkrebszentrum der Medizinischen Universität auf einer Debatte anlässlich der Jahrestagung 2018 der Deutschen, Österreichischen und Schweizerischen Gesellschaften für Hämatologie und Medizinische Onkologie. Besonders gut sprechen demnach jene Patienten, bei denen der Primärtumor nicht mehr nachweisbar ist. Das sind bis zu 10 % der Melanompatienten. Im Zweifelsfall würde Höller der Immuntherapie gegenüber Substanzen zur BRAF-Inhibition den Vorzug geben, denn: „Die Immuntherapie gegen das maligne Melanom aktiviert ein System, das auch alleine weiter laufen kann.“

Klinische Bedeutung

Die Therapie des malignen Melanoms ist seit 2015 im Umbruch, als mit der Studie Checkmate-066 die klare Überlegenheit des PD-1-Immuncheckpoint-Inhibitors Nivolumab gegenüber einer Chemotherapie mit Dacarbazin gezeigt wurde. Wie groß die Erwartungen an die neue Substanzklasse sind, zeigt nicht zuletzt die Verleihung des diesjährigen Medizin-Nobelpreises an zwei Pioniere dieses Forschungsgebietes: James P. Allison von der University of Texas und Tasuku Honjo von der Universität Kyoto. Inzwischen liegen Daten für mehrere neue Substanzen vor, wobei neben der Immuncheckpoint-Inhibition auch die Hemmung des Protein BRAF eine lebensverlängernde Wirkung zeigte, sodass der relative Stellenwert der beiden neuen Substanzklassen geklärt werden muss.

Ergebnisse

  • Patienten, deren Primärtumor nicht mehr lokalisiert werden konnte, zeigten gegenüber gematchten Kontroll-Patienten ein medianes Überleben von 16 versus 11 Monaten (Lee CC et al, JCO 27 (2009) 3489-3495).
  • Die Blockade von PD1 ist der Chemotherapie mit einer 2-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit von 58 % gegenüber 27 % überlegen (G Long et al., N Engl J Med. 2015 Jan 22;372(4):320-30).
  • Die Kombination zweier PD1-Blocker verbesserte das 3-Jahresüberleben gegenüber den Einzelsubstanzen auf 58 %, das mediane OS ist hier noch nicht erreicht (JJ Grob, ESMO 2017). Dagegen liegt die das 3-Jahres-ÜL mit Dabrafenib allein bei 31 % und in Kombination mit Trametinib bei 45 % .
  • Im ersten Jahr sind die BRAF-Inhibitoren besser, dann aber kreuzen sich die Überlebenskurven, und das ÜL mit PD1-Blockern bleibt auf hohem Niveau, während BRAF-basierte Therapien deutlich verlieren (Ugurel et al., European J Cancer 2017).
  • Ein Großteil der Patienten mit vollständigem Ansprechen auf Pembrolizumab bleibt nach Absetzen der Therapie stabil (C. Robert, ASCO 2017). Unter 114 Patienten, die mit Ipilimumab nach 3 Jahren noch am Leben waren, erhielten 31,6 % keine Therapie mehr, unter 149 Patienten mit Nivolumab betrug dieser Anteil 41,6 %, und unter 224 Patienten mit Kombinationstherapie 69,2 % (Postow M., SITC 2017).