DGE: Kein Nährstoffmangel bei Kindern durch vegane oder vegetarische Ernährung

  • Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE)

  • von Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Kinder und Jugendliche, die sich vegan oder vegetarisch ernähren, sind mit den Hauptnährstoffen sowie den meisten Vitaminen und Mineralstoffen ausreichend versorgt. Zu diesem Ergebnis kommt die VeChi-Youth-Studie, die jüngst im 14. Ernährungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) vorgestellt wurde.

Untersucht wurde das Ernährungsverhalten sowie die Nährstoffzufuhr und -versorgung bei veganer, vegetarischer und omnivorer Ernährungsweise bei rund 400 Kindern und Jugendlichen (6-18 Jahren) über einen Zeitraum von zwei Jahren. Dazu wurden von den Studienteilnehmenden regelmäßig Blut- und Urinproben untersucht sowie ein Ernährungstagebuch ausgewertet.

Den Ergebnissen zufolge waren in der Nährstoffversorgung der Kinder und Jugendlichen die Unterschiede zwischen veganer, vegetarischer und omnivorer Ernährung gering. In allen Fällen waren die Studientelnehmenden ausreichend mit den energieliefernden Nährstoffen sowie den meisten Mikronährstoffen versorgt. Der hohe Kohlenhydrat- und moderate Fettanteil der Energiezufuhr war laut Studie in allen Gruppen vergleichbar und entsprach weitgehend den D-A-CH-Referenzwerten für die Nährstoffzufuhr für diese Altersgruppe.

Veganer und Vegetarier essen gesünder

Die Kohlenhydrat- und Fettqualität unterschied sich allerdings zwischen den Untersuchungsgruppen. Kinder und Jugendliche, die sich vegan ernährten, hatten eine besonders hohe Ballaststoffzufuhr und aßen weniger zugesetzten Zucker sowie gesättigte Fettsäuren. Ihre Proteinzufuhr war niedriger als bei vegetarischer oder omnivorer Ernährung, lag im Mittel aber noch im Bereich der D-A-CH-Referenzwerte, heißt es in einer Mitteilung der DGE.

Bei einer vegetarischen oder rein pflanzlichen Ernährung sei außerdem bei den meisten Kindern die Versorgung mit dem viel diskutierten Vitamin B12 zufriedenstellend, was auf eine ausreichende Supplementierung schließen lasse, berichten die Studienleiter Ute Alexy und Markus Keller. Hinzu komme, dass sich vegetarisch und vegan ernährende Kinder und Jugendliche ein insgesamt gesundheitsförderndes Lebensmittelmuster zeigten:  Sie verzehrten mehr Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte und Nüsse. Insbesondere Veganer wiesen laut Studie den geringsten Verzehr von Süßwaren, Knabberartikeln und Fertiggerichten auf.

Grundsätzlich kritische Nährstoffe: Vitamin B2, Vitamin D, Jod und Calcium

Allerdings waren den Angaben zufolge Kinder mit veganer und vegetarischer Lebensweise signifikant schlechter mit Eisen versorgt als die Mischköstler. Dagegen lagen die Zufuhr und die Blutkonzentrationen von Folat bei den Veganern deutlich über den Werten der beiden anderen Gruppen. Als kritisch bei allen drei Ernährungsformen erwiesen sich laut Studie Vitamin B2, Vitamin D, Jod und Calcium.

Die vorliegenden Studienergebnisse seien allerdings nur eingeschränkt aussagekräftig, da die Studienteilnehmenden nicht repräsentativ für die deutsche Bevölkerung sind, räumen die Wissenschaftler ein. Dennoch könne sie Hinweise liefern, bei welchen Nährstoffen Handlungsbedarf besteht. So lautet die Empfehlung der DGE, dass unabhängig von der Ernährungsform bei Kindern und Jugendlichen vor allem die Versorgung mit Jod und Calcium verbessert werden sollte. Liegt ein starker Vitamnin D-Mangel vor, müsse außerdem im Einzelfall über eine Supplementierung nachgedacht werden. Bei veganer oder vegetarischer Ernährung sollte außerdem zumindest eine gelegentliche Supplementierung von Vitamin B12 erfolgen.