Dexamethason-Behandlung bei akutem Atemnotsyndrom sinnvoll

  • The Lancet Respiratory Medicine

  • von Dr. Carola Krause
  • Medizinische Nachrichten
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Kernbotschaft

Eine frühzeitige Verabreichung von Dexamethason könnte die Dauer der mechanischen Beatmung und die Gesamtmortalität bei Patienten mit mittelschwerem bis schwerem akutem Atemnotsyndrom (ARDS) verringern.

Hintergrund

Es gibt keine nachgewiesene spezifische pharmakologische Behandlung für Patienten mit ARDS. So bleibt auch die Wirksamkeit von Kortikosteroiden bei ARDS umstritten. Ein spanisches Forscherteam hat nun untersucht, ob eine Dexamethason-Behandlung die pulmonale und systemische Entzündung verringert und so eine kürzere mechanischen Beatmung die Überlebensraten der ARDS-Patienten begünstigt.

Dexamethason-Behandlung ist ü berlegen

In eine multizentrische, randomisierte Studie (NCT01731795), in einem Netzwerk von 17 Intensivstationen (ICUs) in Lehrkrankenhäusern in ganz Spanien, wurden 227 Patienten mit mittelschwerem bis schwerem ARDS eingeschlossen. 139 Patienten in der Dexamethason-Gruppe erhielten vom 1. bis zum 5. Tag einmal täglich eine intravenöse Dosis von 20 mg Dexamethason, die vom 6. bis zum 10. Tag einmal täglich auf 10 mg Dexamethason reduziert wurde. Die Kontrollgruppe (n=138) setzte ihre routinemäßige Intensivpflege ohne Dexamethason-Gabe fort.

Das primäre Ziel der Studie war die Erfassung der Anzahl der beatmungsfreien Tage, definiert als die Anzahl der Tage am Leben und frei von mechanischer Beatmung vom Tag der Randomisierung bis zum 28. Tag. Die mittlere Anzahl beatmungsfreier Tage war in der Dexamethason-Gruppe höher als in der Kontrollgruppe (Differenz zwischen den Gruppen 4,8 Tage [95 % CI:  2,57 bis 7,03]; p

Das sekundäre Studienziel war die Erfassung der Gesamtmortalität 60 Tage nach der Randomisierung. Nach 60 Tagen waren 29 (21 %) Patienten in der Dexamethason-Gruppe und 50 (36 %) Patienten in der Kontrollgruppe gestorben (Unterschied zwischen den Gruppen –15,3 % [–25,9 bis –4,9]; p = 0,0047).

Der Anteil unerwünschter Ereignisse unterschied sich zwischen der Dexamethason-Gruppe und der Kontrollgruppe nicht signifikant. Die häufigsten unerwünschten Ereignisse waren:

  • Hyperglykämie auf der Intensivstation (105 [76 %] Patienten in der Dexamethason-Gruppe gegenüber 97 [70 %] Patienten in der Kontrollgruppe),
  • Neuinfektionen auf der Intensivstation (z. B. Lungenentzündung oder Sepsis; 33 [24 %) ] vs 35 [25 %]) und Barotrauma (14 [10 %] vs 10 [7 %]).

Die Forschenden gehen davon aus, dass ARDS-Patienten von einer frühzeitigen Dexamethason-Behandlung profitieren könnten, indem die Dauer der mechanischen Beatmung und so die Gesamtmortalität reduziert wird.

Finanzierung: Fundación Mutua Madrileña, Instituto de Salud Carlos III, The European Regional Development's Funds, Asociación Científica Pulmón y Ventilación Mecánica