Deutsche Forschungskooperation „Tele-Kasper“ will Antibiotika-Einsatz bei Kindern um 20 Prozent verringern


  • Andrea Hertlein
  • Medizinische Nachrichten
Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten. Der Zugang zum gesamten Inhalt dieser Seite ist nur Angehörigen medizinischer Fachkreise vorbehalten.

Kernbotschaft

Noch immer werden in deutschen Kinderkliniken und Kinderarztpraxen zu häufig und oft unnötig Antibiotika verschrieben. Vier deutsche Universitätskliniken haben jetzt eine Forschungskooperation mit dem Namen TELE-KASPER ins Leben gerufen. Ziel ist es, mittels Telemedizin und einer App die Antibiotika-Gabe bei Kindern zu optimieren und den Verbrauch um mindestens 20 Prozent zu reduzieren.

TELE-KASPER steht für „Telemedizinisches Kompetenznetzwerk Antibiotic Stewardship in Pediatrics“ und wird in den kommenden drei Jahren vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mit mit rund 7,7 Millionen Euro gefördert. Beteiligt sind daran primär das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU), das Universitätsklinikum Halle (Saale), das Universitätsklinikum Essen und das Universitätsklinikum Homburg (Saarland) sowie weitere Partner, wie regionale Krankenhäuser und die AOK Bayern.

App ermöglicht Anfragen zu stellen und Patientenfälle zu besprechen

„Geplant ist, ein infektiologisches Netzwerk aufzubauen und eine App zu entwickeln, erläutert Projektverantwortlicher Stefan Moritz vom Universitätsklinikum Halle (Saale). Mittels Telemedizin und App als Kommunikationsmittel sollen Kinderärzte umliegender nicht-universitärer Krankenhäuser die Möglichkeit haben, sich zum Einsatz von Antibiotika von Experten beraten lassen.

Die App enthält den Agaben zufolge nicht nur einen Antiinfektiva-Leitfaden, es können auch gezielt Fragen gestellt und Patientenfälle geschildert werden. Eine Antwort gibt es entweder direkt per Kurznachricht oder auch per Videokonferenz in Form eines telemedizinischen Konsils. Weitere Optionen seien wöchentliche Fallkonferenzen mit mehreren Partnern sowie Fortbildungen für medizinisches Personal, berichten die Initiatoren.

Entgegenwirken von Resistenzen

„Unser Ziel ist es, dass mit besseren Kenntnissen, Fallbesprechungen und Austausch untereinander mittelfristig die Antibiotika-Gaben rationaler erfolgen, dadurch gesenkt werden können und folglich auch dem Entstehen von Resistenzen entgegengewirkt wird“, verdeutlicht Moritz. Die Rate multiresistenter gram-negativer Erreger nehme seit Jahren stetig zu, was auf den nach wie vor zu hohen Verbrauch an Antibiotika zurückzuführen sei. Dadurch seien insbesondere kleine Patienten der Neonatologie oder Hämato-Onkologie gefährdet, bei denen Behandlungen nicht anschlagen.

Die vier Universitätskliniken fungieren dabei laut Moritz als sogenannte „Hubs“, also Zentren, für umliegende Krankenhäuser mit Kinderstationen. An allen Standorten sind insgesamt 35 Kliniken aus der jeweiligen Umgebung involviert, die von den jeweiligen Hubs über 27 Monate hinweg beraten werden.